6. Juli 2008

Au … Aufschrei 31

Vast vier Varianten von Verdammnis. (Naja, „fast“! Aber der Stabreim?!)

Rauchen, Morden, Kiffen

Heilige Marie-Johanna, sind das Zeiten! Seit dem 1. Juli ist Rauchen bei Nordrhein-Vandalen und Niederländern verboten. Flächendeckend! Das führt in den holländischen Koffie-Shops dazu, dass der Joint ab sofort nur noch pur und ohne Tabakzusatz verqualmt wird. Kiffen erlaubt, rauchen verboten! Heilige Marie-Johanna! Dass ich das noch erlebe! Peter Tosh am Ziel: „Legalize Marihuana, uuh, uuh, uh!“

Kein Wunder, dass man Rauchen verbietet. Die Raucher haben sich ja jahrelang den Unwillen ihrer Mitmenschen zugezogen:

  • Kippen: auf Geh- und Bahnsteigen, vor Kneipen, … . Bei Privatfeten auf der Terrasse. Auch da, wo Aschenbecher in der Nähe standen.

  • Qualm setzte Filter zu, brachte Gilb in Gardinen. Fluggesellschaften haben ihre Nichtraucherflüge öffentlich anders begründet. Die wahren Gründe waren Reinigungskosten und Schäden bei Aschern, Sitzen und Luftfilteranlagen. Diese Kosten wurden von Nichtrauchern quersubventioniert.

  • In Restaurants haben Raucher auch während des Essens erbarmungslos gequalmt, Geruchs- und Geschmackssinn aller Anwesenden zugekleistert: „Könnte es sein, dass dieser Wein nach Rauch „duftet“? „Nee, das ist doch kein „Pouilly-Fumé“!“ „Hatte ich eigentlich geräucherten Schinken zum Spargel bestellt?“ „Komisch, der sieht auch gar nicht so aus!“

Was Generationen von Rauchern dem Geschmacks- und Geruchssinn der Mitmenschen zugefügt haben, hatte sicher Rückwirkungen auf den Geschmack unserer Nahrungsmittel und den Duft unserer Blumen. Ob Schnittblumen duften oder nicht, welche Geschmacksvariationen ohne Geschmacksverstärker erzielbar sind: Das ist dem Raucher egal! Er riecht es nicht, er schmeckt es nicht! Und Raucher sind und waren wir alle. Aktiv oder passiv, ob wir wollten oder nicht.

Das Rauchverbot wird unser Leben tiefer beeinflussen, als es die platten Aufschriften auf Tabakpackungen andeuten, die Raucher zu Totschlägern, Mördern oder Selbstmördern machen und die als Argumente für das Rauchverbot herhalten müssen. Was steht da? „Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen.“ Hääh?! Ohne Rauchen soll der Tod doch noch langsamer kommen?! Hoffentlich! Wofür sonst das Brimborium mit dem Rauchverbot? Oder führt Nichtrauchen zum schnelleren Tod? Sterben die Leute nach dem Rauchverbot nicht mehr eines natürlichen Todes? Steigt nun die Zahl der Morde, die zum schnellen Tod führen?

Das wäre eine interessante These! Verbunden mit Neschles Grundsatz: „Die Summe aller Laster ist konstant“ bedeutet es, dass die Leute sich nur ein anderes Laster anstelle des Rauchens suchen. Dann wäre diese Welt nicht schon wieder mal schöner und lebenswerter geworden, nur weil das subtile Morden durch Zigarettenqualm beseitigt ist. – Welches Laster tritt nun an die Stelle des Rauchens? Das ist die Frage! Wird es die Fortführung des unterschwelligen Mordens mit anderen Mitteln sein? Mit Alkohol etwa: „Two beer or not two beer? That is the question?“

Essen und Trinken sind als Ersatzlaster beliebt. Die meisten nehmen zu, wenn sie sich das Rauchen abgewöhnen. Aber das sollen wir doch nicht, wegen Herzinfarkten! Kiffen im Koffie-Shop? Böse! Hungern? Selbst bei Models in Verruf! Arbeiten wie wild? Workoholics sind schlechte Mütter und Väter, sagt Frau von der Leyen ;-). Spielen? Kann süchtig machen! Surfen im Internet? Genauso! Prozesslawinen lostreten! Auch das! Beziehungsgespräche führen? – Das nun gerade nicht! Aber für Männer sind Beziehungsgespräche artfremd wie das Sitzen beim Pinkeln! Außerdem wurden sie früher beim Rauchen geführt. Und das geht nicht mehr, jedenfalls nicht mehr gemütlich.

Sex als Ersatzdroge? Wird uns durch Aids verdorben! Und die Männer haben keine Lust mehr drauf. In den USA sind die Chicken-Wings schon so voll von weiblichen Hormonen, dass sie über Apotheken vertrieben werden müssten. Das Trinkwasser ist so belastet, dass Frauen zur Verhütung nur Wasser trinken müssen, falls ihre „Männer“ das nicht schon getan haben und aufgehen wie Hefeteilchen. Sind wir erst alle Lesben, kann nichts mehr passieren. Macht es dann noch Spaß? Was kommt also nach dem Rauchen? Darüber macht sich keiner Gedanken.

Aber so ist das in dieser gedankenlosen Zeit. Da geschah es vor einigen Tagen, dass in der Notfallaufnahme einer New Yorker Klinik eine Frau direkt vor den Augen von tatenlosen Mitarbeitern starb. Mehr als 30 Minuten im Todeskampf ohne Hilfe, bildlich festgehalten von Überwachungskameras. Vielleicht dachten die beteiligten „unbeteiligten“ Zuschauer, da laufe ein Film mit versteckter Kamera ab. Hilft man, kommt plötzlich der Aufnahmeleiter und sagt: „Ätsch, angeschmiert!“ und die ganze Nation lacht im Fernsehen darüber, wie blöd man war. – So ist man heute drauf! Keiner will sich zum Narren machen lassen und deshalb machen sich alle dazu!

Das zeigt uns auch Boris Becker in der Werbung. Das haut er einen Zeitgenossen mit dem Golfschläger versehentlich um. Anstatt sich um den Verletzten zu kümmern, hängt er sich an sein Handy und ruft die DAS Rechtschutz-Versicherung an: „Ich hätte da mal eine Frage!“. Hinter ihm windet sich derweil sein erbarmungswürdiges Opfer in Schmerzen. – Die Boris-Botschaft: Hauptsache man selbst ist versichert, lass die anderen doch krepieren! So haben nicht mal die Raucher gedacht, jedenfalls nicht in Bezug auf den ersten Teil des Satzes.

Bei Rauchern ist das nun sowieso anders: Die will niemand mehr krepieren lassen. Keiner will mehr zusehen, wie sie sich selbst und andere richten. Aber wer, verdammt noch mal, kümmert sich um diese Leute im Leben danach, im Leben nach dem tristen Rauchverbot? Vielleicht Seminaranbieter? Die lösen ja auch all unsere Managementprobleme!?

Hier ein paar Themenvorschläge:

  • Gibt es ein Leben nach der Kippe? Oder steht es auf derselben?

  • Rauchen zwischen Morden und Kiffen

  • Lungen ohne Rauchen wie Straßen ohne Teer?

  • Rauchen und Sonne: Zur Lederhaut mit Wonne

  • Nie Kot in der Nikotingesellschaft

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Filed under Au ... Aufschrei, Blog by Neschle

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