Au … Aufschrei 54

Emdens Exzesse als Ekzeme im Piratengesicht.

Das asoziale Lynchwerk

Ein (Flash-)Mob in Emden, internetbetrieben und –getrieben: Fast hätte er gereicht zur Lynchjustiz an einem Unschuldigen. Wieder hat sich im Netz eine „spontane Glaubensgemeinschaft“ mit massiv eingebildetem Wissen gegenseitig bestärkt und anonym radikalisiert. Im sicheren Bewusstsein, den Mörder zu haben, hat sie den Hölleneid geschworen: Lex est quod facimus (Gesetz ist, was wir tun)!

Zitate von t-online: „Nach der Festnahme des Jugendlichen als Tatverdächtiger im Mordfall Lena waren Hassparolen und Lynch-Aufrufe im Internet aufgetaucht. … Nach Aufrufen im Netz war eine aufgebrachte Menschenmenge sogar vor die Polizeistation in Emden gezogen, als die Festnahme bekanntgeworden war.“

„Unterdessen hatte die Zeitung "Express" berichtet, dass der unschuldige 17-Jährige … seine Heimatstadt Emden verlassen habe…, nachdem er Pflastersteine gesehen hatte, die Unbekannte in seinen Garten geworfen haben.“

Dabei kannte man im Netz den Täter schon genau. Wieder sind es fast 100% der sich selbst be- und verstärkenden Forumskinder, die angeblich alles wissen. Unzureichende Netiquette und enthemmende Anonymität untergraben dort jegliche menschliche Verantwortung und persönliche Haftung als Errungenschaften einer jahrhundertelangen kulturellen Entwicklung. Das „soziale Netzwerk“ ist in Wahrheit noch ein asoziales Netzwerk. Doch heult alles auf, wenn Patrick Döring, der Generalsekretär der FDP, da von einer „Tyrannei der Masse“ spricht.

Piraten wollen genau dieses asoziale Netzwerk reden und entscheiden lassen, verbunden mit dem Versprechen zu mehr politischer Transparenz! Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Aber es kann gar keine Transparenz unter Anonymen geben, sondern allenfalls eine Instrumentalisierung für die Zwecke anonymer Manipulatoren. Oder ist Transparenz nur, dass jeder die Entscheidungsprozesse der Piraten einsehen kann?

Da prophezeie ich deren schnelles Ende: Angefangen bei Personalentscheidungen werden dort bald die wichtigen Entscheidungen im Vorhinein ohne das Licht der Öffentlichkeit getroffen. Diese erlebt dann nur noch ein Piraten-Theater. Wetten dass? Wäre es nämlich anders, müsste das zum ersten Mal in der Geschichte so sein. Aber die Piraten werden ja nicht müde zu betonen, dass sie noch lernen. Doch hoffentlich nicht auf unsere Kosten!

Neschle kann ihnen heute schon sagen, was sie lernen werden: Polit-Theater und zwar umso mehr, je mehr sie ihre scheinbare Transparenz herstellen. Denn wer sich ständig der Öffentlichkeit aussetzt, weiß auch, was diese erwartet und versucht, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Politische Ehrlichkeit ist aber etwas anderes!

Wie war das noch mit dem Ideal der frühen Kommunisten: direkte Demokratie? Hört sich gut an! Doch wohin hat das geführt? Zur Diktatur des Proletariats? Falsch! Weltweit zur Tyrannei alter Männer! Von der direkten Demokratie in die direkte Demagogie. – Mehr direkte Demokratie, mehr Transparenz! Durch das Internet?

Na gut, bisher war das in Emden nur der Tyrannei-Versuch einer mobbigen Masse am Beispiel einer fatalen Lynchjustiz, also eher etwas wie ein Aufstand der Massen. Aber wir können heilfroh sein, dass es dabei geblieben ist. Denn dieser „Aufstand der Massen“ richtete sich nicht etwa gegen ein Unrechtsregime, sondern gegen unser Rechtssystem, das bei allen Mängeln, die ihm verbleiben, immer noch weiß: Todesstrafe und Lynchjustiz sind abgeschafft. Doch auf dem asozialen Piratenschiff des Netzes gilt das nicht und erst recht nicht für die Forumskinder von Emden.

Neschle ist sich nach den Vorfällen aus Emden und anderen Erfahrungen aus dem Internet sicher: Ein piratenmäßige Abstimmung per Internet im Sinne „direkter Demokratie“ würde zur Wiedereinführung der Todesstrafe und zur Rechtfertigung der Lynchjustiz in solchen Fällen wie in Emden führen. Das hat uns gerade noch gefehlt! Vor allem, wenn wir mal wieder den Falschen erwischen.

Aber Neschle ist auch sicher: Die Mehrzahl der Leute versteht nicht einmal, dass dies ein warnendes Beispiel ist: Wir dürfen uns die politischen Themen nicht von einer verantwortungslosen anonymen Masse aus dem Internet vorschreiben lassen! Bei solchen Fragen gilt radikales Vermummungsverbot, da heißt es „Fratze zeigen“. Wenn wir das heute nicht verstehen, werden wir es später bitter lernen müssen. Zusammen mit den Piraten und die lernen dann doch auf unsere Kosten.

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