Au … Aufschrei 66

„Stallorder“: Im Zweifel für den Wettbetrug!

Betrügt Vettel Webber? Oder: Sind Rosberg und die Wetter betrogen?

Formel Eins Wochenende. Das zweite Rennen der Saison. Doppelte Aufregung: Das Mercedes-Team lässt Rosberg seinen Teamgefährten Hamilton nicht überholen, obwohl Rosberg schneller ist. Hamilton wird per Stallorder zum Dritten gemacht, weil Rosberg folgsam ist. Nicht so Weltmeister Vettel. Der soll hinter Webber Zweiter werden, wenn es nach dem Willen seiner Teamleitung geht. Doch Vettel spielt nicht mit. Er überholt Webber, der auf Teamanweisung seine Geschwindigkeit reduziert hat, in einem durchaus riskanten Manöver und wird Erster. Das Presseecho folgt:

„Sebastian Vettel lässt seine Maske fallen“ schreibt die Times. In Wahrheit lässt wieder mal die englische Presse ihre Maske fallen. Egal, ob deutscher Papst, deutscher Fußball oder deutscher Motorsport: von Fairness kaum eine Spur. Da wird Schumacher an Vettels Stelle herbeigezerrt mit ewig alten Geschichten, vom „skrupellosen Siegeswillen“ Vettels gesprochen und vom „Krieg“, den damit wieder mal ein Deutscher vom Zaun gebrochen hat.

Ansonsten ist die internationale Presse moderater, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen, wenn etwa vom „Diebstahl des Sieges“ von Webber durch Vettel oder aber vom „Betrug Vettels an Webber“ die Rede ist, sogar in der deutschen Presse.

Dass eigentlich Rosberg der um seinen Podiumsplatz Betrogene ist, liest man selten. Kaum ein Wort über Hamilton, der zu Unrecht auf dem Podium stand, weil Rosberg ihn hätte überholen müssen. Denn was darf der Zuschauer erwarten, wenn nicht einen fairen Wettkampf mit dem Willen zum Sieg? Doch Rosberg durfte nicht, weil eine Teamorder ihn daran hinderte. Hamilton selbst – das muss man ihm sehr zugutehalten – war da schon unangenehm berührt.

Hätte sich Webber nicht genau so fühlen müssen, wenn er per Stallorder gewonnen hätte? Nein, sagen da einige, weil er nur aufgrund von Anweisungen aus der Box nicht mehr so schnell war wie er eigentlich konnte. Das unterschied seinen Fall von Hamilton. Doch wer kann und will das schon im Nachhinein prüfen.

Aber liegt im Fall Hamilton nicht sogar Wettbetrug vor oder Betrug am Wetter („Wetterbetrug“)? Ein Wetter – und da werden selbst Engländer Verständnis haben – muss davon ausgehen, dass bei einem sportlichen Wettkampf alle Beteiligten nicht nur ihr Bestes geben, sondern auch, dass sie auch unbedingt siegen wollen. Der typische Fall des Wettbetrugs beim Fußball ist daher genau der, in dem eine Mannschaft bewusst und gezielt verliert, obwohl sie hätte gewinnen können.

Hätte Neschle zum Beispiel gewettet, dass Rosberg vor Hamilton liegt, weil er ihn für den besseren Fahrer hält (schließlich hat der Rosberg den alten Schumi in den Schatten gestellt), wäre er allein durch die Stallorder um seinen Wetterfolg gebracht worden. Neschle musste aber davon ausgehen, dass der Bessere von beiden vor dem anderen landet: bei Vettel und Webber wie bei Hamilton und Rosberg.

Wer bei diesem Rennen betrogen wurde, ist für Neschle eindeutig: Es sind Rosberg, der Sport und die Wetter. Wenn einer den Webber betrogen hat, war es aber sicher nicht der Vettel, sondern das eigene Team mit seiner „unsportlichen“ Stallorder. Und es ist klar, dass so dem Wettbetrug Tür und Tor geöffnet ist. Daher würde es Neschle kaum wundern, wenn die Stallorder alsbald vor dem Kadi landet: als Wettbetrug.

Übrigens: Sogar Formel Eins Ikone Bernie Eccelstone sieht die Stallorder kritisch, vor allem wenn hier bereits im zweiten Rennen der Saison Einfluss auf den Wettbewerb genommen wird. Man stelle sich so etwas mal beim Biathlon vor, wo ein(e) Mannschaftskamerad(in) kurz vor dem Ziel per Teamorder vorne bleiben darf oder soll, weil er oder sie bessere Chancen im Weltcup hat oder auch nur weil er oder sie zusätzlich motiviert werden soll.

Neschle wundert sich nur über eins: Warum sind Journalisten nicht fähig, mal gegen den Strich zu bürsten? Warum sind sie weltweit eine riesige Hammelherde, unfähig zur kritischen Reflektion? Alles schreibt von einem Leithammel ab, der in einer der großen Agenturen sitzt.

Solange das so bleibt, hat Neschle immer einen Grund gegen diesen Hammelgeist anzuschreiben.

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