Leon Neschle 38 (11.-13. Woche 2008)

Ökonomische Verblödung in Deutschland als Griechische Tragödie

„Deutsche sind Wirtschaftslaien.“

(Fred. B. Irwin, Chef der US-Handelskammer in Deutschland)

Mehrmals im Monat besucht der Chef der US-Handelskammer in Deutschland, Fred B. Irwin, verschiedene Schultypen in Deutschland: „Ich bin jedes Mal erstaunt, dass Wirtschaft nirgends ein Unterrichtsthema ist“, stellt er fest. Er erfährt dort auch, dass Selbständigkeit für deutsche Schüler keine berufliche Alternative ist. Ihre Ängste werden gefördert von ihrer ökonomischen Ahnungslosigkeit: „Hat man keine Ahnung von Wirtschaft, ist man immer etwas hoffnungslos.“ Wüssten die Deutschen davon mehr, „würde die Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft und auch der Neid gegenüber Gutverdienern geringer sein“, meint Mr. Irwin (RP v. 4. März 2008).

Damit gelingt ihm, was Neschle für unmöglich gehalten hat: Über die ökonomische Bildung an deutschen Schulen zu berichten und keine Satire zu schreiben. Neschle hält es in diesem Fall sogar für notwendig, die Aussage von Juvenal zu verschärfen. Der hätte gesagt, es sei schwer keine Satire zu schreiben (Difficile est satiram non scribere.) Für Neschle scheint das unmöglich. Getreu dem homöopathischen Grundsatz Simila similibus curentur! (Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden) hilft gegen diese deutsche Realsatire nur noch Sprachsatire:

Kant schrieb die „Kritik der reinen Vernunft“. „Reine Vernunft“ gibt es nicht in Deutschland. Daher kann man sie hier eigentlich gar nicht kritisieren. – Und warum, zur Hölle, hat Kant überhaupt die Vernunft kritisiert und nicht die Unvernunft? Dann auch noch die „reine Vernunft“? – Deshalb war es wohl Kant, der den „Königsberger (Sprach-)Klops“ erfunden hat!?

Weil es meist zwei Klöpse gibt, schrieb er noch die „Kritik der praktischen Vernunft“. Alles in Königsberg! Zum Nachschlag servierte er noch die „Kritik der Urteilskraft“. Soll man denn für alles zu doof sein, für Theorie und Praxis, und auch zu blöd, die zu beurteilen?! Nur weil der Kant das gut findet? –

Wenn einer der größten deutschen Philosophen so etwas schreibt, ist das schon ein Ding an sich[1]. Liegt also bei Kant die Quelle für den Stupor oeconomicus der Deutschen und ihren elitären Schwachsinn in wirtschaftlichen Fragen? – Neschle meint nicht! Kant hat das mit der Kritik gar nicht so gemeint! Heute sagen Menschen auch vieles, was sie so nicht meinen. Das nennt man dann „Public Relations“ oder „Politik“ Wie man das macht, lernt man in der Rhetorik oder im Ortsverband der Linken. –

Aber: Unreine Vernunft und reine Unvernunft gibt es in Deutschland, vor allen in Fragen der Wirtschaft. Beide treten hier in Menschen und in Mengen auf. Sie kann man kritisieren und sie gehören gehörig kritisiert. Daher serviert Neschle Kants Königsberger Klöpsen selbstgemachte Essener Klöpse entgegen: die „Kritik der unreinen Vernunft“ und die „Kritik der reinen Unvernunft“. Da hat Kritik mal Sinn, Herr Kant!

A. Der gemeine Stupor oeconomicus et teutonicus

Viele Teutonen sind infiziert vom Stupor oeconomicus, geistigem Stillstand in Fragen der Ökonomie, der mit Lähmungen der selbständigen Tatkraft einhergeht: Im Westen ist die Spezies der Ökochonder ziemlich unziemlich verseucht. Deren Mimosität in ökologischen Dingen geht einher mit allergischen Reaktionen gegen jede Art ökonomischen Sachverstands. Der „Econo-Mist“ stinkt ihnen besonders. Daher sind sie von ihm angewiddert oder fühlen sich von ihm auf die Hörner genommen.

Ihren eigenen Mist halten sie für biologisch abbaubar: Sie entsorgen ihn in ihren Stellungnahmen zu Wirtschaftsthemen. Oder sie setzen die AmtsträgerInnen ab. Das ist die „menschliche“ Form des biologischen Abbaus in Fragen der Politik, ökonomische eingeschlossen[2].

Im Osten verstehen viele die Marktwirtschaft noch immer nicht. Dafür muss man Verständnis haben. Marktwirtschaftliche Bildung wurde einst in der Politischen Ökonomie schieftürfend (nicht „tiefschürfend“!) gepflegt, als katechismusgleiche Kapitalismuskritik! Die wurde so geistlos durchgepaukt, dass man Hörschäden davon bekam!

Heute liegt das mangelnde ökonomische Verständnis dort aber nicht an Dezibel. Hören könnten sie es! Manchmal liegt es an Debil: Wenn das PDS (Parteibedingt Debiles Syndrom) grassiert! Gepaart mit dem altsozialistischen HIV-Syndrom (Hab’ Ich Vergessen) kann es PDS zum ökonomischen Alzheimer führen, bei Ex-Mitgliedern und Immer-Noch-Sympathisanten der Einheiz-Partei sogar zur SED (Seuchenartig Epidemischen Debilität) unter Einsatz politischer Zwangsjacken. Deren Tragen überwacht demnächst wieder die STASI (Staatliche Toleranzversagungs-Anstalt für Sichere Internierung). Man hört es trapsen: In (Nieder-)Sachsen wird sie wachsen!

Das PD-Symptom lässt sich in seiner ökonomischen Variante heute auch im Westen beobachten: bei WASG-Patienten (Wirtschaftlich Ahnungslose Sozialistische Genossen), wiederkehrend und schwerwiegend als OSKAR[3] (Oekonomisch-Sozialistisches Keine Ahnung Rezidiv). Die Linken wollen den Bock schießen, solche Böcke wieder zu Gärtnern zu machen. Da haben wir allerdings noch die Wahl. Heute noch!

Zum Beweis des ökonomischen Genies der SED-Nachbeterorganisation hätte nach der Wende eine Kahl-Murks-Stadt geholfen, die unter experimentellen Bedingungen eines A&B-Staates hätte weiterwurschteln dürfen. Als lebendes Mahnmal für die Wunder des Sozialismus. Mauer drum, dass keiner rauskommt! Und keiner herumkommt um die Sicht auf das Siechtum der Ökonomie dort. Hatte nicht schon Ulbricht sächsisch „dialektisch“ gesagt: „Von der Sowjetunion lernen, heißt siechen lernen!“? Damit würde weiter gemacht in Kahl-Murks-Stadt. Und deutsche Schulen erhielten Führungen, damit es keiner vergisst und nicht den Verführungen der Linken folgt!

Fiele dem Träger eines Parteibedingt Debilen Syndroms (PDS), der in Kahl-Murks-Stadt wie ehedem von „fortschrittlicher Technik“ und „Internationalität“ faselt, ein Abbruchteil auf den Kopf, könnte ihn das noch zur Einsicht bringen. Doch dann wird er von der STASI automatisch zwangsgeschützt: vor sich selbst und diesen Einsichten.

Die STASI und ihr Sumpf ideologischer Verdächtigungen werden wiederkommen mit einem Sieg der Linken: Eine niedersächsische Abgeordnete verriet unlängst, was wir längst wissen müssten. Deshalb wurde sie aus dem Verkehr gezogen. Wie immer, wenn bei denen einer die Wahrheit sagt und „offenes Geheimnis-Verrat“ begeht!

Mit der Linken kommt die ökonomische Kümmernis wieder. Es war nicht mehr weit vor der Wende bis zum Ende der sozialistischen Sackgasse, wo Marxens-Welt mit Brettern zugenagelt ist, falls man nicht schon „Engels im Himmel“ sieht. Wie lange hätten sie den real vegetierenden Sozialismus noch durchquälen können? Abbrechende Balkons, grausieche Häuser, Bitterfelder Felder, Straßen schlimmer als heute im Westen. Trotzdem soll das Linke Abbruchunternehmen nun im Westen starten! Nach dem Auftanken im Kapitalismus wollen es die Linken SED-Kopisten wieder mit Marxeln versuchen. Jetzt ist das Meiste ja schon wieder ganz. Da geht es wieder!

Also los: Links, Zwo, Drei, Vier; Links … ! Gegen die militaristische BRD. – Die SED-Nachsprechorganisation als Lager von Anti-Militaristen? Finanzieren nicht alle sozialistischen Staaten aus dem Volksvermögen ein stattliches staatliches Rüstungshobby? Da spricht sogar Angela Marquardt, frühere Vize der PDS, von „friedenspolitischen Forderungen, die nicht der Realität entsprechen“. Es fehlt nur noch, dass die Linken nun Partei des Wirtschaftswachstums oder Partei des Umweltschutzes sein wollen und sich als SED-Nachsorgepartei gerieren. Deren Funktionäre wollen für Wirtschaftswachstum sorgen? Wir werden bitterfeldlich weinen, im Umweltschmutz!

Die Linke ist aber gegen die Widersprüche des Kapitalismus. Die Widersprüche müssen nämlich von ihr selbst kommen, damit sie wirklich gut sind: Freiheit und Sozialismus! Als wenn jemand gegen das geballte Staatseigentum seine Freiheit bewahren könnte. Das ist schon bei unserer Eigentumskonzentration nicht leicht!!! Ihre Lösung liegt in einer noch stärkeren Konzentration des Eigentums. In der Hand von Leuten mit dem „richtigen“ Bewusstsein. Bleibt da den Falschen Platz zum Atmen? –

Gegen solchen Stupor sollen folgende Epi-Soden helfen, die episch verbreitert, bodenständige, aber doch abgehobene Beispiele (eben „Soden“) für ökonomische Unvernunft des Geistes liefern. Am Anfang steht dabei die Frage: Wie kommt es, dass wir jede Menge Sozialisten hervorgebracht haben, aber kaum ökonomische Vernunft? Heilige ökonomische Einfalt! Warum überziehst Du dieses Land?

B. Sonderschule und Bürokraterei. Der Unweg ins Unternehmertum.

Die ökonomische Verblödung steigt! Lähmung geht um[4] in Deutschland! Paralyse vom Halswirbel an. … Aufwärts! … Hierzulande hat jeder Ökonomie-Professor im ersten Semester Probleme, im Ökonomieverständnis abiturgeschädigte Studenten auf das Niveau der Sonderschüler zu bringen. Unsere Bildung eröffnet Dummen zwar ihr ökonomisches Unverständnis, verbirgt es aber vor Abiturienten und jungen Studierenden. Die sind nämlich schon genügend vorverbildet, um für den Rest ihres Lebens die Augen vor den ökonomischen Tatsachen zu verschließen.

Im Ökonomieverständnis bleiben deutsche Abiturienten ohne „Umerziehung“ ihr Leben lang unter dem Niveau der Sonderschüler. Das gilt sogar für Leute, die sich später in der Wirtschaft umtun, etwa für die juristisch, aber nicht ökonomisch geschulten Beamten der Steuerverwaltung. Eine schwere Last für den Wirtschaftsstandort!

Intensivtäter sind hier aber die Philologen, die ihr Unwissen und Unverständnis an die nächste Schülergeneration weitergeben. Bei Unwortwahlen fallen sie selbst Leuten auf, die nicht ihre Bildungs-Produkte ökonomisch „umerziehen“ müssen (Neschle 19, 20, 21, 22). Das ist blanke Realität, wenn auch Realität gewordene Satire. Fakten sind halt immer dumme Sachen, auch wenn sie sich auf die „Bildungselite“ beziehen:

Der Schrotthändler hatte früher Sonderschule und einen ausgereiften wirtschaftlichen Verstand. Er kaufte billig und verkaufte teuer. Der „Altreucher“ wurde Neureicher, wie die Bläck Fööss sangen. Heute rächt sich das Bildungsbürgertum dafür am neureichen Schrotthändler, indem es alle wichtigen Positionen in Politik und Bürokratie besetzt. Dort fordert es mit bürokratischen Hürden faktisch die Vorverbildung durch das deutsche Abitur. Denn es verlangt vom Schrotthändler so viel Bürokratismus, dass er das nur noch mit Abitur werden kann. Seitdem verstehen unsere Schrotthändler nichts mehr von Wirtschaft und werden auch nicht mehr neureich.

Bauernschlauen ohne höhere Schulbildung ist das Unternehmertum heute verwehrt. Die haben früher die Wirtschaft bewegt, ihre Rechnungen auf Packpapier und Bierdeckel[5] geschrieben, statt sich in die Hartz IV-Matte zu legen. Das haben abiturversehrte Beamte und Politiker (was bei Lehrern fast dasselbe ist) ihnen verboten, unterstützt von der einer viel zu vielzahligen EU-Bürokratie. Packpapierrechnungen sind eben nicht kontrollierbar. Eine Umsatzsteueridentifikationsnummer macht sich auf Packpapier wie ein Frack in der Bahnhofsmission. Und mündliche Verträge sind heute das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben wurden.

Nun müssen bauernschlaue Sonderschüler wegen mangelnder Eignung zu spitzenbürokratischen Leistungen arbeitslos bleiben. Jobs bekommen sie aber auch nicht mehr. Von Hartz IV führt für sie kein Weg mehr in die Selbständigkeit. Davor steht die Bürokratie-Barrikade. Die Schuld wird aber allein auf die Globalisierung abgewälzt.

Wer an einer deutschen Schule gelernt hat, macht allerdings ohnehin kein Unternehmen mehr auf. Der nimmt lieber Hartz IV. Formulare ausfüllen muss er sowieso! Nur Ausländer werden noch Unternehmer, eröffnen Restaurants oder Gemüseläden. Falls sie nicht an einer deutschen Schule gelernt haben, können sie zwar noch ökonomisch denken[6]. Aber sie wissen nicht, was ihnen von der Bürokratie droht.

Der bürokratische Standard in Deutschland wird immer bestimmt von denen, die es darin zur und auf die Spitze gebracht haben. Was auf dem neuesten Stand bürokratischer Technik möglich scheint, führt man für alle verbindlich ein. Was für die größte Aktiengesellschaft gilt, wird selbst für die kleinste angewandt. Älteren Bürokratietechniken verweigert man einfach die steuerliche Anerkennung.

Diese Bürokratie folgt immer Lenins Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Eine hässliche Beschönigung: Vertrauen fand Lenin nie gut. Vor allem nicht Vertrauen in den Unternehmer! Und so ist das auch bei deutschen Behörden.

Ein Grund zum Eingriff findet sich immer. So kann etwa das Kartellamt eingreifen, wenn Preise gleich sind (Verdacht auf Preisabsprache!) oder unterschiedlich sind (nicht funktionierender Wettbewerb!). Da hat der Deutsche Fußballbund neulich gestaunt, als er ins Abseits geriet und ein Kommando des Kartellamts ihn überrollte.

Gegen ungehemmten Kontroll-Bürokratismus schützt nur die Unfähigkeit und Ineffizienz der Bürokratie selbst. Vorher! Es sei denn, ihre Mühlen hätten gegriffen. Dann wird ihr Bremssand in jede wirtschaftliche Aktivität gestreut. Mit dem der Bürokraterei eigenen Unverständnis wird ein Exempel statuiert, indem hinter jedem „Erwischten“ ein ganzes „Ensemble stationiert“ wird, das ihn kontrolliert und überwacht. Das bürokratische Unverständnis verliert seine Schutzwirkung und wird gefährlich für den Angeprangerten, ob schuldig oder nicht (Leon Neschle 25).

In sozialistischen Staaten ging das noch ohne Prozess oder mit kurzem; demokratische Staaten haben dafür den langen Prozess an der Prozesskette erfunden. Kafka kommt hier, kalt und klammheimlich! Verwaltungsverfahren und Prozesse ziehen sich über Jahre und nicht selten sterben die Betroffenen darüber, während die Bürokratie unverzagt zäh weiterlebt und die Wirtschaft mit ihrem Amts-Schimmel überzieht. Mit dem, der nicht wiehert. Mit dem, der weiß macht und den Menschen krank. An dessen Ende ist das Netto-Einkommen nur die Provision, die einem der Staat belässt, weil man seine Formulare sorgfältig bearbeitet hat.

C. Hermes oder Merkur: Götter der Kaufleute und Diebe und Paten für die gymnasiastische Anti-Ökonomie

Was kann Deutschland retten? Weniger Bürokratismus in den Verwaltungen, der das ständige fehlerfreie Ausfüllen von Formularen erwartet? Warum nicht? Besser noch: Der Abschied von den wirtschaftsfreien, ja wirtschaftsfeindlichen Bildungsinhalten unserer Einbildungselite! Und eine optimistische Besinnung auf die Stärken dieses Landes bei Kräftigung des wirtschaftlichen Sachverstands.

Das funktioniert aber nicht, solange man bei unserer Bildungselite nur Gutmenschenpunkte sammelt, wenn man zugibt, nichts von Wirtschaft zu verstehen, und bereit ist, allem Unternehmerischen geistig abzuschwören (siehe Neschle 19, 20, 21, 22). Die deutsche „Bildungselite“ hat noch immer das Ideal der Griechen und ihres Gymnasiums, einer Art Turnhalle für Kopfgymnastik um der Kopfgymnastik willen.

Alles Wirtschaftliche hat darin ein Hautgout, den Anstrich neureicher Dekadenz und Bildungsferne. Manche Professoren würden daher auch die Betriebswirtschaftslehre gern aus der Universität verbannen. Zu praktisch, zu brauchbar. Bei der Volkswirtschaftslehre mit ihren Symbolfeldern für Denksport gibt es weniger kritische Stimmen. Man darf es nicht praktisch gebrauchen können. Nur dann ist es „akademisch“!

Geld stinkt also für das Näschen der kopfgymnastischen Einbildungselite. Die wundert sich aber dennoch, warum nun umgekehrt das Geld sie nicht mag. Aus Ärger wählt sie Parteien, die bürokratistische Beschäftigung versprechen, damit der Staat „das Geld“ zwingt, seine Bildungselite zu mögen.

Selten findet man in Deutschland Geld positiv belegt oder diejenigen, die es haben. Erstaunlicherweise bei Dieter Hildebrandt: Geld macht nicht korrupt, kein Geld schon eher. Abfällige Ausdrücke wie „Neureiche“ oder „Geldsäcke“ kaschieren das eigene Verlangen, das Geld möge auch sich dem Bildungsbürger geneigter zeigen. – Geld verdirbt alle Menschen. Doch auf Gebildete trifft das nicht zu!

Die Griechen hatten einen Schutzgott für Kaufleute: Hermes, der – das sagt sehr, sehr viel – auch Gott der Diebe war. Kaufleute und Diebe, dasselbe Gesindel. Wie Hermes so Merkur, bei den hemmungslos abkupfernden Römern[7]. Seit Hermes und Merkur haben Kaufleute einen schlechten Ruf. In der deutschen Bildung hat der sich gehalten, obwohl hier Goethe nicht als Zeuge taugt. Der war ein guter Ökonom!

Die griechische Hauswirtschaft („oikos“, daher kommt „Ökonomie“) war selbstversorgend. Von ihr träumen Ultra-Grüne noch heute. Sie war autark in ihrem Anwesen und brauchte nichts außer dem, was man dort selbst herstellte. Bis auf Klitze-Kleinigkeiten. Nur die musste der von Hermes geschützte Kaufmann bringen.

Dieser kam aus dem Ausland mit Waren, die man in der „oikos“ nicht herstellte: Samt, Seide, Gewürze. Sein Motto: „Anhauen, Umhauen, Abhauen“, jedenfalls allzu häufig. Offener Taschendiebstahl mit latentem Einverständnis des Bestohlenen. Die Kundschaft des Kaufmanns war also Laufkundschaft. Besser: Er war Lauflieferant, kam einmal und nie wieder. Er konnte sich das nicht (mehr) trauen. Wegen seiner Geschäftsmethoden kannte man ihn nur flüchtig: „Du wolle Teppich kaufe? Seine gute Teppich? Mache gute Preis.“ – „Un isch Depp isch, kauf de Deppisch!“

Kaufmann, Ausländer, Dieb, der griechische Dreiklang des Verwerflichen, unter dem unser Bildungssystem und das Ansehen alles Wirtschaftlichen in Deutschland heute noch leidet? Selbständig- oder Unternehmer-Sein gehört nicht zu den Idealen, die unsere beamtete Lehrerschaft den Schülern vermittelt. Freier, selbstverantwortlicher Unternehmer sein zu können, steht daher nicht auf der Wunschliste unserer Nachwachsenden. Wohl aber versorgt zu sein, als Beamter oder mit Hartz IV! Auch die akademischen Nesthocker im Hotel Mama (Alles Schlampen, außer Mutti!) unterfüttern es. Eine Vorstellung, die sich prima mit dem sozialistischen Versorgungsstaat, doch kaum mit verantwortlicher Marktwirtschaft verträgt.

Erst wenn politisierende Lehrer und belehrende Politiker begreifen, dass sie in einer Marktwirtschaft ihr monatliches Salär einem funktionierenden Unternehmertum verdanken, sind wir auf dem richtigen Weg. Bislang merken wir erst, dass Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft und die Alterversorgung davon abhängen. Doch schon geht es ans Weihnachtsgeld und die Gesundheitsversorgung der Beamten (Leon Neschle 35). Das stärkt die Hoffnung, es werde der Funke des Verstandes bei ihnen bald den Stern der Erkenntnis aufgehen lassen. Noch allzu viele Teutonen glauben allerdings, ihre Politiker schaffen die Arbeitsplätze.

Diese Vorstellung ist eines erwachsenen Menschen so würdig wie die Ansicht, der Klapperstorch bringe die Kinder oder Mönche vermehrten sich durch Zellteilung. Doch sie hält sich hartnäckig wie das Schwarze unter den Fingernägeln, zumal viele Politiker sie beständig wiederholen und weiterverbreiten. Politiker aber sind wie Kastrate, die mit ihrer Potenz prahlen. Sie können nicht mehr als Haremswächter im Serail: die Umgebung schön herrichten und diejenigen anregen, die befruchten können. Sie wissen, wie es gemacht wird, weil sie es jeden Tag sehen. Den Akt vollziehen können sie jedoch nicht. Dazu brauchen sie selbständige Unternehmer und eine Kultur, die Selbständigkeit erstrebenswert macht.

D. Arbeitsplätze soll er schaffen, aber keine Gewinne machen!

Für die Kultur der Selbständigkeit müsste man von Kind an mit Achtung vor allen Menschen erzogen werden. Durchaus und besonders aber vor denen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Risiken zu tragen. Schon im Kindergarten muss es anfangen, die Grundschulen erfassen, die Realschulen und Gymnasien umkrempeln, die Universitäten verwandeln[8].

Das könnte eine ökonomische Dynamik durch das Land stürmen lassen, die selbst die Rentenprobleme wegfegt. Doch wer soll die vermitteln, wenn nicht die wirtschaftsfeindlichen Philologen, die Beifall klatschen, wenn „Humankapital“ im Unwortrang auf die Unwort- und Unwert-Stufe von „ethnische Säuberung“ gehoben wird.

Daher gilt für Deutschland noch in verschärfter Form, was Winston Churchill über das Unternehmerbild in England gesagt hat: „Manche Leute halten den Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse. Andere sehen in ihm eine Kuh, die man nur ununterbrochen melken könne. Nur wenige erkennen in ihm das Pferd, das den Karren zieht.“

Das Verhältnis deutscher Politiker zu Unternehmern ist wie das des Hurenbocks zur Hure. Sie suchen Befriedigung bei ihnen, weil Unternehmer Arbeitsplätze schaffen. Doch sie ignorieren, dass Unternehmer dies aus Eigennutz und des Geldes wegen tun und nicht, weil sie die Politiker mögen und ihnen daher gern einen Gefallen tun.

Die politische Impotenz der Politiker erwächst aus dem Fehlverständnis, sie müssten Unternehmer nur moralisch erinnern, dann schafften die sogar Arbeitsplätze, wenn es sich nicht lohnt. Der Arbeitsplatz ist so scheinbar das Ergebnis eines politischen Spendenaufrufs an Unternehmer! Wer dem nicht folgt, stellt sich moralisch ins Abseits! Schaffen Unternehmer keine Arbeitsplätze, machen Politiker sie moralisch verantwortlich. Andere verantwortlich machen, ist halt das Hauptgeschäft der Politik. –

Der Mangel an Sensitivitätsvermittlung für Unternehmertum der deutschen Schule pflanzt sich fort in Studenten-, Lehrer-, Journalisten -und Politikergehirnen. Man kann diesen Mangel nicht ausgleichen, indem man Informationsprospekte zur Selbständigkeit an Studenten verteilt[9]. Solche Informationen erreichen nur etwas, wenn deren Bereitschaft zum Unternehmertum bereits vorhanden ist. Fallen sie auf den harten Boden gymnasiastischer Sozialisation gegen das Unternehmertum, bringen sie keine Frucht. Sie sinken nur auf den Boden des Mensa-Foyers und bleiben dort liegen.

Man muss daher früher ansetzen, bei der Sozialisation selbst. Es ging zwar ein Rock durch Deutschland, aber man merkelt wenig. Es muss ein Ruck durch die Schulen gehen. Unternehmer, die Deutschland in der Welt berühmt gemacht haben, sollten auch als „Helden“ und „Vorbilder“ auftauchen, nicht nur als „Ausbeuter“ und „Schurken“. Krupp, Daimler, Benz, Thyssen, Zeiss und Bosch sind in den Köpfen der Welt präsenter als deutsche Politiker. Und dort viel positiver besetzt als im sozialismus-lastigen Deutschland[10]. Hierzulande scheint es mehr Freude zu bereiten, möglichst viele deutsche Unternehmer (und Manager) zu demontieren statt ihre Leistungen zu respektieren. – Zum Zumwinkel noch mal! Den haben seine Mitarbeiter selbst nach dem Steuerskandal gefeiert. Aber die meisten hatten ja kein Abitur!

Unternehmer, die heute zählen, stammen aus den Staaten. Hätte es Bill Gates aber auch in Deutschland geschafft? … Der Leser möge diese Frage kurz einwirken lassen! … Wahrscheinlich wäre er eher geschafft worden oder gar nicht erst angetreten! Er wäre hierzulande schon als Kind infiltriert worden mit Vorbehalten gegen das Unternehmertum. Seine Garage hätte die Berufsgenossenschaft geschlossen. Er hätte sich gegen eine Bürokratie der Ignoranz und Gängelung und eine Unkultur von Neid und Missgunst durchsetzen müssen:

Der Kaufmann ist nur so freundlich, weil er Dein Geld will, wird hier schon dem kleinen Kind erklärt, um die eigene Unfreundlichkeit zu begründen. Dass der Kaufmann das Geld nicht bekommen würde, lieferte er nicht gute Ware und gute Leistungen, bleibt unerwähnt. Respekt bleibt ihm versagt. Selbst für Freundlichkeit. –

Will man wieder die „Freundlichkeit“ werktätiger DDR-Dienstverweigerer[11]? – Eines ist sicher: Für Freundlichkeit braucht der Deutsche Anreize. Doch Freundlichkeit hebt! Das konnte Neschle merken, als man in der DDR mit D-Mark zahlte.

Erst wenn sich die Einstellung zum Unternehmer ändert, wird es eine natürliche und vielleicht sogar die erste Frage jedes Schulabgängers und Universitätsabsolventen sein: Bin ich in der Lage, mich selbständig zu machen im Bewusstsein, dass mich dieser Staat darin unterstützt? Dann erst haben wir uns vom griechisch-römischen Erbe des Anti-Ökonomischen oberhalb der Gürtellinie[12] befreit.

E. Die (national-)sozial(istisch)en Auflösungen des Unternehmertums

Hierzulande feiert aber der Sozialismus immer wieder Auferstehung. Sind wir nicht das Land seiner größten Aktivisten: das Land von Marx, Engels, Liebknecht und Luxemburg? Haben wir nicht Lenin in Russland einrollen lassen? Haben es nicht Ulbricht und Honecker als Vorstände ihrer Rentnerklubs bis an die Spitze eines provinziellen deutschen Kleinstaates geschafft? Wo sonst in der Welt hätten solche Witzfiguren so weit kommen können? Wer wundert sich da noch über andere Bananen-Republiken, wenn jüngst wieder die Linke hier Wahlerfolge verzeichnet?

Misstrauen gegen Menschen in der unternehmerischen Erscheinungsform teilen deutsche Sozialisten mit den wenigen noch vegetierenden sozialistischen Staaten. Insgeheim beneiden jedoch beide den Unternehmer. Sie bewundern seinen Mut, gönnen ihm diesen aber ebenso wenig wie seinen Erfolg. Sie kritisieren seine Gier, übertreffen diese jedoch, weil sie sogar das gesamte Volksvermögen auf sich vereinigen und ihrem politischen Willen unterwerfen wollen. Staatquoten- und Machtgier statt Marktanteils- und Profitgier. Da gibt es nur einen Unterschied: das Ausmaß.

Sozialisten bewundern den Internationalismus von Unternehmern. Kämpferisch proklamieren sie ihn auch für sich selbst: „Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!“ – Sicher datt! Doch das geht nur, wo der Sozialismus herrschende Ideologie war oder ist. Auf Kuba, in Nordkorea! Oder in Maos China. Doch die 60 Millionen Opfer[13], die seine Kampagnen gekostet haben, stellen einen österreichischen Hobbymaler weit in den Schatten, der mit seiner „Heil-Society“[14] viel zu lange bei uns wütete. Doch wer in der Hölle sündigt, wird heiliggesprochen!

Internationalismus erreichten Sozialistenstaaten nie in der Geschichte. Er blieb verbal. Ein nie eingelöstes, doch permanentes Versprechen. Man kann sogar die Gleichung aufmachen: Je sozialistischer der Staat umso abgeschotteter vom Rest der Welt. Nationalismus und Sozialismus passen also zusammen?! Nordkorea lässt grüßen! Als letzter Musterknabe des Sozialismus und „echter National-Sozialismus“.

Auch Kuba castriert immer noch die Auslandskontakte. Kein Wunder, wenn man hört, dass die kubanische Fußball-Nationalmannschaft jüngst von Beginn an mit zehn Spielern auflaufen musste, weil sieben Spieler ihres Kaders sich beim Auslandsaufenthalt abgesetzt hatten. Oder schauen wir, was Russlands und Chinas Öffnung zur Welt ausmacht: Je deutlicher der Abschied vom Sozialismus und seiner Geschichte, umso offener zur Welt!

Gegner der Internationalisierung und Globalisierung holen daher ihr geistiges Futter auch aus dem (national-)sozialistischen Trog der räumlichen Abschottung. National und sozialistisch hängt bei ihnen totalitär nahe zusammen. Man streiche aus der „internationalen Solidarität“ die kleine Fläche dazwischen: „inter ar“. Schon erhält man die „nationale Solidität“. Das ist ideologisches Rechtsabbiegen ohne Blinker!

Wie sagt uns Angela Marquardt (Ex-Vize der PDS) jüngst: Bei der Linken gebe es „nationalistische und fremdenfeindliche Töne“. Fremdenfeindlich z.B. von einem, der „La-Fontaine“ und nicht „die Fontäne“ heißt[15]. Die Linken verwenden daher auch lieber das italienische Wort „Faschismus“ und vermeiden „National-Sozialismus“, um das zu verschleiern. Da geht die Wahrheit nicht mehr so ins Auge!

Der sozialistische Hintergrund der Globalisierungsgegner lässt es niemals zu, ein Problem internationaler Gerechtigkeitsdefizite in aktiven Staatseingriffen zu sehen. Die wollen sie nämlich verstärken. Also muss reguliert werden, was es in einer überregulierten Welt nicht einmal gibt: das neoliberale Wirken des Weltmarktes. Alles wieder von der lieben und schlauen Politik, auf Finanzmärkten und anderswo! In der Marktmacht einzelner Unternehmungen wird eine Bedrohung gesehen, nicht aber in der Staatsmacht einzelner Politiker oder ganzer Staaten, freilich mit den USA als Ausnahme. Sie trauen dem Staat nicht und seinen Beamten nichts zu, wollen aber alles von ihnen reguliert wissen. – Von Bösewichtern und Flaschen leer? Die will man natürlich durch eigene ersetzen! Doch von Diktatur muss Neschle da nicht mal reden!

Es gibt nämlich sogar einen Unterschied zwischen marktwirtschaftlicher und demokratischer Kontrolle. Demokratische Kontrolle kennt Mehrheiten und Minderheiten, Sieger und Besiegte. Die Kontrolle des Marktes beruht dagegen auf Freiwilligkeit. Die verlangt Einstimmigkeit, hat also mehrere Sieger. Will man mit einer Attac(ke)-Haltung Besiegte schaffen, sollte man den politischen Weg wählen. Fordert man Einigkeit (und Recht und Freiheit) wären staatliche Störungen des Marktes zu beseitigen. Diese Störungen bewirken etwa als Subventionen, dass sich die Industrienationen auch auf den Agrarmärkten als Sieger durchsetzen und überlegene Entwicklungsländer zu Besiegten werden. Weniger statt mehr Staat ist hier daher der Schlüssel zur Entwicklung! –

Nachteile von der Globalisierung haben in den Industrieländern vor allem Personen, die mit Arbeitsangeboten der sich entwickelnden Länder konkurrieren. Daher können die Globalisierungsgegner wieder proletarische Bezüge und Parolen auspacken: Nieder mit die Kapilisten! Hoch dat Proletat! Dat Volk gehört die Eiers! Und Arbeitsplätze und Löhne bleiben in Deutschland! – Doch damit richten sich ihre Aktionen nun auch gegen Länder, die erst heute mit Recht Entwicklungsländer genannt werden, weil sie sich nun wirklich entwickeln.

Globalisierung verlagert einfache Arbeitsplätze und zunehmend auch komplexe in aufstrebende Entwicklungsländer. In China wird man mit der Nase darauf gestoßen. Auch auf soziale Fortschritte. Solche Fortschritte mit der Abkehr vom Sozialismus, wenn auch mit erheblichen Verwerfungen[16]? Da müsste jeder Sozialist sein Gehirn waschen von der Vorstellung, das sozialistische System sei gut und sein Scheitern rund um den Globus liege nur an Fehlern real vegetierender Sozialistenstaaten.

Wie viele Beispiele braucht man, um Ursachen im Konzept zu suchen? Sozial(istisch)e Intellektuelle sind in ihr autogenes Gutmenschentum zu verliebt, um es sich durch die Wirklichkeit verderben zu lassen. Gute Absichten ersetzen bei ihnen gute Ergebnisse! Sozialistische Ideole[17] feiern so immer wieder fröhliche Urständ. Generationen von politischen Bestattungsunternehmern gehen daran zugrunde. Wieder und wieder geistern diese Ideole als untote Zombies durch die Polit-Possen und geben ihre grotesken Vorstellungen zum Besten, jüngst als heiß sprudelnde Gysiere der Phönix-SED: Auferstanden aus Urinen und der Linken zugerannt!

F. Von Prolet-Ariern und Kapita-Listen.

Für Menschen mit einfachem Arbeitsangebot gibt es ein Potential in Deutschland. Falls wir die Überbürokratisierung aufgeben sogar in der Selbständigkeit! Stimmen die Bedingungen, haben wir ein unerschöpfliches Arbeitspotential rund um öffentliche Aufgaben, Freizeit, Landwirtschaft, Familie, Haus und Garten. Allein, die Bedingungen stimmen derzeit nicht. Politik und Menschen suchen Beschäftigung noch immer in handanlegender Produktion von Industriegütern: Die Industriegesellschaft ist tot, nicht jedoch die Arbeitsgesellschaft.

Ich dien ist ein deutscher Wappenspruch englischer Könige, klingt aber exotisch in deutschen Ohren. Hierzulande „gehen“ nur Dienstleistungen ohne Dienst. Sie allein sind dem Deutschen „zumutbar“! Wie der Dienst preußischer Beamter. Die herrschten über die Bürger, die ihnen dienten. Meinungsaustausch mit ihnen bestand darin, dass der Bürger mit eigener Meinung zum Amt kam und mit der des Beamten wegging. Jeder andere Dienst gilt hierzulande als unnormal, unmoralisch, subaltern, sklavisch oder inhuman. Da sei der sozialistische Geist des Deutschen davor!

Da Dienst den Deutschen fremd ist, erledigen polnische Spargelstecher und Gärtner Dienste einfacher Arbeiter. Erledigen in des Wortes doppelter Bedeutung. Die einen Deutschen heben derweil die Staatsknete Hartz IV als Stütze von ihrem Konto ab, den anderen raubt man die Altersvorsorge. Unternehmer wird aber kaum einer. Kein Wunder beim schlechten Ruf dieser Spezies bei der proletarischen Masse und den Kontrollbeamten der Staatsbürokratie, die sich auf das Schlechte kapriziert, das Gute und Bewegende missachtet. Staatsbürokratie hat eben immer etwas Sozialistisches.

Durch die Kontroll-Brille gesehen werden Unternehmer schlecht bleiben. Die sozialistische Welt ist ein Märchenreich. Das teilt sich in gute und rechtschaffene Prolet-Arier[18] und böse, trickreiche Kapita-Listen. Diese ewig klagenden, doch nie leidenden Unternehmer-Fieslinge könnte man in dieser Welt getrost „Kapital-Verbrecher“ nennen. Die sozialistische Formel Nummer 1: Jeder Unternehmer und Top-Manager ist ein Ernie Ekelstöhn und Soziopath, der mit Zumwinkelzügen den Staat schädigt.

Handelt es sich dagegen um eine staatlich kontrollierte Bank? Da können sie eine Armada von Staatsschiffen versenken! Welch ein Theater um 300 Millionen Steuerhinterziehung, wie wenig Aufhebens, wie wenige Konsequenzen um einen mehr als zwanzigfach höheren Betrag auf der Ausgabenseite! Auch da stimmt sie nicht mehr: die Verhältnismäßigkeit! So verzerrt sind die ökonomischen Maßstäbe der Deutschen. Warum nicht zwanzigmal mehr Zeitungs-Artikel über die Verschwendung bei den Staatsbanken, sondern umgekehrt? 300 Millionen staatliche Verschwendung auf der Ausgabenseite sind unserer Journaille keine Zeile wert. Weil es der täglich Skandal im Lande ist. Er wird es erst recht, wenn wir die Kompetenzen der Politik dazu sozialistisch erweitern! –

Doch der Sozial-Deutsche sieht es umgekehrt: Gegen die Listen des Kapitals – das ist als bloße Sache böse, als „das Kapital“[19] (auch in Christians Klar-Text) - muss man die Prolet-Arier schützen. Zugleich muss man sie daran hindern, selbst Unternehmer zu werden. Sonst könnte man sie ja nicht mehr vor Kapita-Listen[20] schützen, sondern nur noch vor sich selbst. Und das ist nicht die Aufgabe der Sozialisten!

Die Behinderung einfacher Leute auf dem Weg ins Unternehmertum müssen Sozialisten in Deutschland dazu nicht mehr erfinden. Ein aufzeichnungs- und listenreicher Kontrollbürokratismus behindert schon die Gründung von Unternehmungen. Im Paragraphendschungel ist es fast unmöglich, eine Unternehmung zu gründen, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen und zumindest eine Ordnungswidrigkeit zu begehen[21]. Da wundert man sich, warum hier nicht das Gründungsfieber ausbricht:

Wer eine Speisegaststätte betreiben will, von dem forderte die Berufsgenossenschaft aus rutschfesten Gründen der Unfallverhütung angeraute Fliesen. Bei stumpfen Fliesen glitt aber das hygienepolizeiliche Standbein weg. Ins Raue beinlicher Standfestigkeit klebte sich peinlich-unreinlicher Bakterien-Glibber der Magenverdrehung. Was man auch tat: Richtig ging es nicht! Wo und wie sollte man anfangen? Rau oder glatt? Die Kontrolle erschien erst, um die Entfugung und Entsorgung der verfugten und verpfuschten Fliesen zu verfügen. Glatt oder rau? So konnte man die Ordnungswidrigkeit schon vor Gründung der Gaststätte garantieren. Und die Arbeitsplätze damit befasster Bürokraten. Die Betroffenen aber sind psycho-somatisiert.

Dass einfache Leute im heutigen Gesetzeswirrwarr keine Unternehmungen mehr gründen (können!), hilft zwar linken Ideologen bei ihrer Identifikation mit der Arbeiterklasse, ist jedoch nicht sozial. Es geht zu Lasten der Wirtschaft und ihres Wachstums, ebenso wie der ausufernde Etat Arbeit und Soziales. Der müsste längst Nicht-Arbeit, Un-Soziales heißen, weil hier die Nicht-Arbeit verwaltet wird. Das extreme Wachstum dieses Etats ist krasses Symptom der deutschen Wirtschaftskrankheit, in der nur noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung ihr Geld durch Arbeit verdient.

Dabei wird etwas für die Förderung des Unternehmertums getan. Doch zu wenig gegen dessen Be- und Verhinderung. Ungehindert pflegen Anwälte ihr Handwerk, die nur darauf lauern, Namen von Neugründungen zu entdecken, die dem eines existierenden Unternehmens ähneln. Diesem dienen sie sich an, um die Neugründung zu verklagen. Da die Neuen die Vernichtung der frisch hergestellten Firmenschilder und Geschäftspapiere teuer zu stehen kommt, ein ungewisser Prozessausgang angesichts der Rechtspraxis jedoch noch teurer, geben sie meist klein bei. Deutsche Richter halten nämlich selbst Kaufleute für doof genug, ähnliche Namen zu verwechseln, auch wenn sich die Unternehmen an unterschiedlichen Standorten befinden. Für viele Gründer ist ein erster, harter Rückschlag. Staatlich sanktioniert! Neschle weiß, wovon er da spricht!

Neschle hat es erlebt: Am Tag der Betriebseröffnung, Möbel standen noch auf der Straße, kommt die Berufsgenossenschaft zur Kontrolle und bemängelt das Fehlen eines Erste Hilfe-Kastens, der schon montierfähig auf dem Fußboden steht. Bei einer Unternehmensberatung, nicht bei einem Tischler. Strafandrohung! Wer kontrolliert in diesem Lande solch dämliche Kontrolleure und droht denen Strafe an?

Die Kontrollbürokratie schert zudem junge und kleine Unternehmer fast über denselben formalen Kamm wie große. Sollen sie arbeitslos bleiben oder sich fügen in die technisch ausgefeilte Bürokraterei! Die Bürokratie wütet schon im Treibhaus der Unternehmensgründungen und wir wundern uns, warum es da nicht zur Ernte kommt. Woanders glauben wir doch auch nicht, dass Kinderarbeit leistungsfähige Erwachsene hervorbringt. Wo Bürokratismus Kleinunternehmungen besonders hart trifft, glauben wir dagegen an ein gesundes Unternehmenswachstum?!

Vor allen Banken und Finanzämter haben den Mittelstand im Melkgriff, dazu kommen Anwälte und Notare. Die Belastung durch staatliche Zwänge ist für den Mittelstand deutlich höher als für die Großunternehmung.

Unternehmensgeschichten zeigen: Kleinunternehmen können in Deutschland nur heranwachsen, wenn sie staatliche Bürokratiezwänge missachten und hoffen, dass sie damit durchkommen. Sonst werden sie vorher schon von einer kleinlichen Bürokratie im Kleinwuchs gehalten.

Wie soll sich ein Unternehmer auf Märkte konzentrieren, wenn er mit behördlichen Prüfungen überzogen wird? Wie soll er sich unternehmerisch einstellen, etwas richtig oder das Richtige zu machen, wenn er sich ständig davor ängstigt, dass ihn die Staatskontrolle bezichtigt, alles ordnungswidrig zu machen? – Geht nicht! Gar nicht!

Der Anfang wäre, die ökonomische Bildung zu verbessern und die Einstellung zum Unternehmertum bereits bei den Schülern zu verändern (Fraglich ist nur, ob das zuvor bei diesen Lehrern funktioniert!?). Wenn der Wille dazu da wäre, kämen die Inhalte von selbst! Allein ist fehlt der Wille dazu, dagegen ist einer da!

Ja, Mr. Irwin. Sie haben Recht! Leider! „Deutsche sind Wirtschaftslaien!“ Und sie lassen Unternehmern kaum eine Chance. Aber wer verdammt soll das ändern, wenn es uns sogar an diesem Bewusstsein fehlt! Danke, dass sie es versucht haben! 

 

Der Unternehmer schlechten Ruf

man einst im Griechenlande schuf.

Da schenkt Gott Hermes seine Liebe

dem Kaufmann und dem bösen Diebe.

Gemeinsam wohnen diese Bübchen

noch in der Deutschen Oberstübchen.

 

In Deutschland wird man Abiturient,

grad wenn man nichts von Wirtschaft kennt.

Und später dann als Bürokrat,

regiert man mit in diesem Staat.

Die Wirtschaft merkt’s, man kann es spüren,

wie sie das Land kaputtregieren!

 

Wer hier noch führt ein Unternehmen,

der sollte sich fast täglich schämen,

sobald er nämlich macht Gewinn,

nimmt es der Deutsche ungern hin.

Er hält das für moralisch schlecht,

dem Sozialisten ist das recht.

 

Der Unternehmer gilt als Schuft,

weshalb man nach dem Staate ruft.

Beamte und Politiker

die machen sich über ihn her.

Doch wie soll das zusammengehen

mit dieser Staatsdiener Ansehen?

 

Verstehe, wer verstehen muss,

der Neschle aber macht jetzt Schluss!

 


[1] Kant beschäftigte sich so intensiv mit dem „Ding an sich“, dass er vergaß, sich mit dem „Ding an anderen“ zu befassen. So wurde er Stubengelehrter.

[2] Vielleicht sollte man politrhetorisch alle Abwahlen und Entlassungen bei den Grünen als „biologischen Abbau“ bezeichnen!

[3] Honecker und Lafontaine verursach(t)en das „Saarland Déjà-vu“ im Osten. Welches Land kann zwei Saarländer verkraften mit solchen Wirtschaftsprogrammen? Nicht einmal das Saarland selbst! Ein Glück, dass der Erich ganz ging und der Oskar halb. Und dass er noch nicht wieder da ist! Dann ist die Wirtschaft weg. Oder kaputt, wie der wirtschaftliche Verstand schon heute.

[4] Auf die Erkenntnis, dass eine Lähmung auch umgehen kann, ist Neschle besonders stolz!

[5] Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel geht mit Hilfe der Nanotechnologie schon lange. Was uns Friedrich Merz da verkauft hat, ist also gar nicht so neu!

[6] Ökonomische Dummheit anderer kann durchaus von Vorteil sein. Lache nie darüber! Sie ist Deine Chance! Sagte zumindest Churchill!

[7] Darin werden sie heute zwar von fernöstlichen Völkern übertroffen. Doch Lernen und Nachmachen scheint schon bei ihnen dasselbe gewesen zu sein. Jedenfalls bei den Gottheiten.

[8] Mehr als 30 Jahre nach der 68er Revolte hatte Neschle im Senat seiner Universität ein Déjà-vu-Erlebnis. Seine Begründung für die Verleihung der Ehrendoktorwürde an einen Professorenkollegen wurde angegriffen, weil Neschle ihm gute Beziehungen zur und Wirksamkeit in der Praxis attestierte. Das war für einige Senatoren ein Negativkriterium. Nutzloses akademisches Wissen ging ihnen über praktisch verwertbares. Es war ihnen nicht recht, dass man die unternehmerische Praxis unterstützte. Sozial ist ökonomisches Wissen für solche Leute offenbar nur, wenn man es nicht verwertet oder gar nicht erst verwerten kann. Es könnte ja in die Hände ausbeutender Unternehmer gelangen.

[9] Eine solche Prospektaktion wurde von einer Jury des Wirtschaftsministeriums meines Bundeslandes prämiert als Idee, das Unternehmertum zu fördern. Abgesehen von der mangelnden Originalität: Informationen an der Oberfläche des Wissens treffen niemals die Tiefe der Einstellung zum Unternehmertum. Neschle war Mitglied der Jury. Von ihm kam die Gegenstimme.

[10] Die Wahlen 2005 haben eine Mehrheit für PDS-WASG, Grüne und SPD erbracht, die zwar nicht alle nicht, aber im Zweifel auch nicht alle marktwirtschaftlich denken. Hamburg, Hessen 2008?

[11] Meine Auto-Korrektur streicht mir Dienstleister als Fehler an, Dienstverweigerer lässt sie zu. Ein Zufall? Oder ein deutsches Symptom?

[12] Beim klassischen griechisch-römischen Ringen dürfen nur Griffe oberhalb der Gürtellinie angesetzt werden. Dabei ist der Griff nach unserem Kopf erlaubt. Das sollte zu denken geben.

[13] Damit sind Menschen gemeint, nicht die Millionen Spatzen, die in einer landesweiten Kampagne gejagt und umgebracht wurden, weil man sie für eine Missernte verantwortlich machte. Selbst mit solch aberwitzigen Aktionen hat Mao manchen Vogel abgeschossen. Sozialismus lebt von Kampagnen und glorifizierten Muster-Menschen. Darin unterscheidet er sich kaum vom globalen Konzern.

[14] Der war ja so krank! Die Leute haben ihm dauernd Heil gewünscht. Doch geholfen hat es nichts! Ihn nicht und sonst auch nicht.

[15] Wer wundert sich da noch, dass sich ein Führungsmitglied der WASG 2006 bei der NPD wiederfindet. Oder über Horst Mahler, der einst die Rote Armee Fraktion verteidigte und direkt zur NPD konvertierte. Und die ausländerfeindlichen Töne zu Beginn von Lafontaines Wahlkampf 2005!? Warum ist in der Ex-DDR Ausländerfeindlichkeit ein so großes Problem!? Auf ihrem sozialistischem Nährboden müssten doch „internationale Solidarität und Freundschaft“ gedeihen!? Fakt ist aber Provinzialität!

[16] Der Leser mag Neschle Verharmlosung vorwerfen. Doch vieles wird heute nur offenbar, was vorher schon Realität in Chinas „Hinterwäldern“ war. Mehrwissen über bereits existierende Missstände sollte man trennen von ihrer Verursachung.

[17] Das ist kein Dreckfuhler! Ideologen sollte man keine Ideale zubilligen, auch keine Idole. Idole sind nicht intellektuell genug, sind greifbare Fußball- oder Popstars. Ideole, was immer das ist, sind unfassbar. Sie liegen zwischen Idol und Ideal. Woher sollte der Ideologe sonst seinen Namen haben?

[18] Das mit den Ariern waren die National-Sozialisten, das mit den Prolet-Ariern die Sozialisten. Beiden gemein und bei beiden gemein ist ihr schlechter Kunstgeschmack. Und die Obsession, diesen Geschmack allen aufzunötigen, wenn sie sich mal zu regieren erzwungen haben. – Hitler war übrigens Veget-Arier. Ob er das auch ohne „Veget“ war, bezweifeln viele. Neschle ist dieses Thema egal!

[19] Meint er Kapitalisten, spricht der Sozialist auch von dem Kapital. „Das Kapital“ unterdrückt und macht andere schlimme Sachen. So spricht etwa Klar Text, ich meine Christian Klar, den Terroristen. Doch unterdrücken können nur Menschen oder von ihnen geschaffene Institutionen wie der Staat. Kapital kann nichts dergleichen, nur der Kapitalist. Doch es ist nicht einmal klar, wer dazugehört. Der kleine Einzelhändler, weil sein gesamtes Kapital im Betrieb steckt? Der Top-Manager einer Kapitalgesellschaft nicht, wenn er keine Anteile hält?

[20] Kapita erinnert doch irgendwie an den lateinischen Kopf caput. Kapiert? Zusammen mit List kommt man hinter die ganze Verderbtheit der Hirne.

[21] Eine Studie an der Universität Essen hat das schon vor Jahren nachgewiesen. Viel hat sich nicht geändert, zum Besseren. - Ob man noch von „Ordnung“ sprechen kann, wenn ein „Regulierungssystem“ in sich widersprüchliche Regeln enthält? Wo keine Ordnung ist, da kann es eigentlich auch keine Ordnungswidrigkeit geben. Allenfalls als Widrigkeit der Ordnung selbst. Doch das schützt keinen Bürger vor Strafe. Eher schon diese „Ordnung“ vor Änderungen, die sie ordentlich machen.

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2 Responses to “Leon Neschle 38 (11.-13. Woche 2008)”

  1. Carsten Says:

    Hallo,
    vielleicht ein paar Zeilen um Kant in Schutz zu nehmen ;-)

    „Kritik“ ist nicht als Beanstandung, Tadelung oder Herabwürdigung zu verstehen, sondern im ursprünglichen Sinn des griechischen Wortes „krinein“ (scheiden, unterscheiden, urteilen) als Analyse, Sichtung und Überprüfung im weitesten Sinne. Vor allem bedeutet hier „Kritik“ eine Grenzziehung zwischen dem Wissbaren und dem Unwissbaren.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft

  2. Neschle selbst Says:

    Aber Carsten!

    Kant vor mir in Schutz nehmen? Das musst Du nicht! Das war doch nur ein dummer Scherz, der damit spielt, dass die damalige Wortbedeutung kaum noch bekannt ist. Nimmt man die heutige stattdessen, dann kommt Unfug raus, wie Du mit Fug und Recht bemerkt hast.

    Aber was ist eigentlich Fug? ;-)

    LG

    Neschle selbst

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