Archive for the ‘Essays’ Category

Leon Neschle 73 (47. Woche 2011)

Mittwoch, November 23rd, 2011

Butter bei die Toasts!

Butter bei die Fische! (O-Ton Ruhrgebiet: Jetzt sag was zur Sache, Wichtiges und Vertrauliches, und drück Dich klar aus!)

Die Wirtschaftswissenschaft erforscht das Geistige der Wirtschaft, den Sp(i)rit. (watt weiß ich denn!?)

Bei kaum einer Festlichkeit, auf kaum einer Feier ist er wegzudenken: der Toast oder Trinkspruch. In vulgärer Form hat er längst Feten und gemeine Trinkgelage erreicht, wo er eher Trinker- als Trinkspruch ist. Und zu Silvester beim 90. Geburtstag von Miss Sophie lassen sich jedes Jahr Millionen Deutsche von einer Kaskade skurril verpackter Trinksprüche bespaßen.

Doch was erklärt diese Lust am Toast, woher der Name, was geschieht dabei und wie sieht ein guter „Toast“ aus? – Wie einer aus dem Toaster? Gebräunt?

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Leon Neschle 72 (38. Woche 2011)

Donnerstag, September 22nd, 2011

Aus-Bildung im Abseits der Bildung

Ausbildung heißt Ausbildung, weil es dann aus mit der Bildung ist. (Neschle)

Nicht auf jede Einbildung kann man sich was ausbilden. (Neschle)

Am vorletzten Wochenende war bei Neschle Zeit für Gespräche mit Professoren. Die waren sich einig: Wir leben im Zeitalter der Wissenssimulation. Die Ab- und Fertigprüfung immer kleinerer Wissensabschnitte eröffnet Simulationsspielräume für Auswendiglerner und Nichtversteher mit gutem Kurzzeitgedächtnis. Ihre Gedächtnisschnipsel scheinen in vielen Mini-Klausuren kurz auf, leuchten aber nicht lange und können schon gar niemanden mehr erleuchten. Und das, wo außerhalb des Bildungsbereichs seit langem die „Ära der Nachhaltigkeit“ eingeläutet ist.

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Leon Neschle 71 (37. Woche 2011)

Freitag, September 9th, 2011

Europäische Vereinheitlichungen und das Henne-Ei-Problem

Es gibt immer zwei Möglichkeiten: Am besten, man macht das Richtige zuerst. (Neschle)

Wir haben ihn: den Euro, die einheitliche europäische Währung. Wir haben sie: Bachelor oder Master, Geselle oder Meister, die einheitlichen europäischen Hochschul- oder Bildungsabschlüsse. Wie schön einheitlich, wie schön gemeinschaftlich, wie schön europäisch. Wie schön! Wäre da nicht in beiden Fällen dasselbe Problem:

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Leon Neschle 70 (36. Woche 2011)

Montag, September 5th, 2011

Der Helikopter-Student, oder:
Sagt nicht, Euch hätte keiner gewarnt!

The road to hell is paved with good intentions. (George Bernard Shaw)

Die Art und Weise, wie Universitäter heute Akadämlicher produzieren, belastet meinen beschädigten Ruf. (Neschle)

Neulich las ich über „Helikopter-Kinder“ in den USA, die schwere Entwicklungsstörungen und gravierende psychische Probleme haben. Von frühester Kindheit an werden sie gegängelt, bemuttert (auch ein Vater kann das!) und permanent überwacht: im Interesse ihrer „Helikopter-Eltern“, die in der Einkind-Generation Zeit und Energie investieren (können), um in ihren Kindern die eigene Lebenserfüllung zu suchen.

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Leon Neschle 69 (11. Woche 2010)

Mittwoch, März 10th, 2010

Marktwirtschaft: Die Beleidigung

Die moralische Lehre, die ich dem Fußball verdanke: Die loyale Beachtung von Spielregeln, die gemeinsam festgelegt und freiwillig akzeptiert werden. (Albert Camus)

Herr Neschle, es hat Zuhörerfragen zu Ihrem Interview (Leon Neschle 68) gegeben. Um ehrlich zu sein, auch eine Menge Beleidigungen, die sehr persönlich wurden.

Nun, Frau öööhhh! Unpersönlich ist nicht immer besser. Die Beleidigungen zeigen, mit welcher Leidenschaft sich viele bei dem Thema engagieren. … Also fangen wir doch mit den Beleidigungen an.

Die häufigste Beleidigung war: „asozialer Neoliberaler“.

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Leon Neschle 68 (9. Woche 2010)

Mittwoch, März 3rd, 2010

Das Interview zur Lage der Sozialen Marktwirtschaft

Kontrolliert der Staat die Wirtschaft, treffen die Lehrer statt der Manager die wirtschaftlichen Entscheidungen. Wer erwartet da Besserung? (Neschle)

Herr Neschle, Sie sind ein ausgewiesener Experte der Sozialen Marktwirtschaft …

Nein, nein, noch darf ich in Deutschland wohnen. Noch bin ich nicht ausgewiesen!

Aber Sie befürchten das?

Wenn es so weiter geht mit der schleichenden Wiedereinführung des Sozialismus durch den Erfolg der Linken, dann ja. Dann werden die Renegaten sicher nicht mehr dulden, die vom rechten Glauben des Sozialismus abweichen. Allen Andersgläubigen werden sie die böse Absicht unterstellen, den einzig moralischen Sozialismus torpedieren zu wollen.

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Leon Neschle 67 (6. Woche 2010)

Mittwoch, Februar 17th, 2010

Gesellschaft mit beschränktem Hirn und beschämender Haltung

Es gärt die Sehnsucht nach dem Krieg aller gegen alle. (Neschle)

Ich glaub‘, mich tritt zwei Pferd. Das erste, weil der Schweizer Nationalrat Alfred Heer droht, alle Kontodaten deutscher Politiker bei Schweizer Banken öffentlich zu machen. Das zweite, weil fast 90% von Euch Internet-Usern auf die Frage „Was meinen Sie, sollten die Schweizer Kontodaten von deutschen Politikern veröffentlicht werden?“ antworten „Ja, das wäre sicher interessant.“ Zusammen mit denen, denen das „egal“ ist, sind es sogar über 90%. Nur ein kleiner aufrechter Rest von weniger als 10% steht für den Schutz der Privatsphäre. Auch bei deutschen Politikern!

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Leon Neschle 66 (5. Woche 2010)

Mittwoch, Februar 3rd, 2010

Was wollt Ihr mit Euren Ran-KINGs?

Es geht nichts über eine ungepflegte Publikumsbeschimpfung. Wenn man sie pflegt! (Neschle)

Ihr seid alle bekloppt! Ihr habt die Demokratie erfunden und habt behauptet: „Alle Menschen sind gleich!“ Das hat sich für Euch nicht bewährt: Jeder von Euch Hirntoten bekommt zwar bei jeder Wahl die gleiche Stimme, aber Ihr verzichtet auf ihren Gebrauch. Ihr wollt sie doch gar nicht: die Gleichheit! Ihr wollt nur ranken und raten, Rankings und Ratings. Und das alles mit englischem „ähhhh“.

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Leon Neschle 65 (4. Woche 2010)

Freitag, Januar 22nd, 2010

Die Verdächtigungsgesellschaft

Die Summe aller Laster ist konstant! (1. Hauptsatz der Moral, Franz-Josef Knoche)

Wir sind angekommen in der Verdächtigungsgesellschaft, wenn die Leute sich bei jedem hergeholten Verdacht auf die Seite des Verdächtigers stellen, „Erklärungsnot“ des Verdächtigten konstruieren, die Beweislast umkehren und den Verdächtigten auffordern, sich gegen absurdeste Beschuldigungen übelster Art zur Wehr zu setzen, statt den Verdächtiger aufzufordern, zunächst einmal „Butter bei die Fische“ zu geben und belastbare Belege beizubringen. Speerspitzen dieser Verdächtigungsgesellschaft sind Moralapostel und Tugendwächter und am Anfang aller Tugendwächterei stehen Verdacht und Verdächtigung. Die sind „natürlich notwendig“, wenn und weil sie im Dienste des Guten stehen.

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Leon Neschle 64 (3. Woche 2010)

Sonntag, Januar 17th, 2010

Kunden, Leser, Bürger, Adressaten: Selten Mittelpunkt, aber immer Mittel. Punkt!

Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. (Alte Vertriebsweisheit)

Auch wenn manche die alte Vertriebsweisheit von Wurm, Fisch und Angler vor sich hertragen: „KUNDENNUTZEN“ wird zwar großgeschrieben, aber nicht immer wirklich hochgehalten: !KUNDENNUTZEN!. Und selbst der großgeschriebene „KUNDENNUTZEN“ bedeutet nicht, dass man alles tut, was der Kunde will, und vor allem nicht, dass man nur das tut, was der Kunde will. Denn:

Jede nachhaltige Beziehung erlahmt, wenn der Kunde nicht auch mal positiv überrascht wird mit etwas, von dem er vorher gar nicht wusste, dass er es wollte, weil er z.B. noch nicht einmal wissen konnte, dass er es überhaupt wollen konnte. Nur mit positiven Überraschungen wird der Kunde zum Fan und die Kundenbeziehung wird nachhaltig spannend statt einzuschlafen.

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