Leon Neschle 75 (11. Woche 2012)

Forumskinder feiern Forumskinder [1]
Skandal-Klausur, Flashmob und Bachelorismus

Das bessere Image privater Hochschulen ist dem Grundsatz zu verdanken: „Scheiße nie auf die eigene Spielwiese!“. Mein Hund kennt diesen Grundsatz, Studenten öffentlicher Hochschulen nicht. (Neschle)

„‘Flashmob‘ (englisch: Flash mob; flash = Blitz; mob [von mobilis beweglich] = aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel)“ bezeichnet nach Wikipedia (Das darf ich hier!) „einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer persönlich nicht kennen und ungewöhnliche Dinge tun.“

Um einen solchen Flashmob an einem virtuellen Ort im Internet geht es hier. Dessen „scheinbare“ Spontaneität wurde von einer „unfairen“ Klausur für den Bolognese-Bachelor verursacht. Auch dieser Flashmob verschwand plötzlicher als er entstanden war.

A. Flashmob für Forumskinder

Was war nicht alles los im Netz, direkt nachdem die „Skandal-Klausur“ geschrieben oder eben nicht geschrieben wurde. Denn viele Studenten hatten sie gleich abgegeben, ohne sie zu bearbeiten.

Doch zwei Tage später kam die Musterlösung vom Lehrstuhl. Von da an fand sich keine Kritik mehr im Netz. Die Aufregung hatte sich völlig gelegt. Der Lehrstuhl erhielt sogar einige persönliche Entschuldigungen über private Mails.

Dabei waren zuvor die Wellen hochgeschlagen. Ich wurde (meist anonym) als „Betrüger“ und der „studentenfeindlichste Professor“ beschimpft, der sich auf Kosten seiner Studenten „profilieren will“. Das waren schon „ungewöhnliche Dinge“ bei diesem Flashmob im Netz, die auch unter meine Gürtellinie (feige und „ohne Eier“) gingen.

Deutlicher noch als auf der Facebook-Seite des Lehrstuhls äußerten sich die Studenten auf der Seite der Fachschaft. Da wollte man mich einer politischen Übung folgend wegen der Skandal-Klausur „aus dem Amt jagen“ oder „zum Rücktritt zwingen“. Die Kommentare waren so „deutlich“, dass der Administrator die deftigsten korrigieren oder sogar Teile löschen musste, weil er juristische Folgen fürchten musste.

Ob meine Kritiker sämtlich Studierende und Betroffene waren, lässt sich wegen der Anonymität des Netzes gar nicht sagen. Trotzdem gehen Forumskinder davon aus. Erfahrungsgemäß feiern jedoch beim Head-Bashing unter dem Schutz der (vermeintlichen) Anonymität einige „nur so“ mit. Aber keines der Forumskinder würde danach fragen, denn: Mitfeierer stärken ihre Macht. Eine Studentin rief sogar dazu auf, möglichst viele Nichtbetroffene(!) sollten sich am „Widerstand“ gegen mich beteiligen.

Eine andere Frage stellen Forumskinder schon: Manipuliert jemand ihre Foren? Sollte sich jemand auf die Seite des Angegriffenen stellen, fallen daher alle Forumskinder über ihn her. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, verdächtigen sie ihn, Strohmann ihrer Zielperson oder gar die Zielperson selbst zu sein. Das muss niemand belegen, das wissen Forumskinder, ohne es zu prüfen. Denn es steht fest: Ihre Zielperson ist ein moralisches Schwein und sie selbst eine moralische Macht.

Folglich schadet jeder, der in solchen Foren für das Opfer Partei ergreift, nicht nur sich selbst, sondern dem Image des Opfers. Das kann sich nicht einmal mehr über echte Unterstützer freuen. Die merken es aber durch die Reaktion der Forumskinder meist schnell, was sie da entgegen ihrer Absicht anrichten.

Das Schlimmste aber ist, wenn Kommentare gelöscht werden. Kein Forumskind kann sich vorstellen oder will wahrhaben, dass eines der ihren einen scharfen Kommentar zurückziehen könnte. Also verdächtigen sie den Administrator, vor allem wenn der für die Zielperson arbeitet und man seine Beschimpfungen direkt auf deren Seite gesudelt hat. Denn Forumskinder kennen trotz Anonymität in den Foren alle Leute genau und wissen alles über sie. Viel mehr als über sich selbst! ;-))

Gegen diese Verdächtigung des Administrators, die unter Forumskindern als Gewissheit gehandelt wird, kann der Angeschuldigte nichts ausrichten. Denn er allein scheint ein Interesse daran zu haben, kritische Kommentare zu löschen. Daher können Forumskinder sogar auf den Trick verfallen, Kommentare erst zu schreiben und dann wieder zu löschen. Sie können sicher sein: Die anderen Forumskinder schieben die Schuld für die Löschung dem Administrator zu und wehe der ist zudem für die Zielperson tätig. Dann steckt diese Person natürlich auch dahinter. Sie ist sogar Teil einer großen Weltverschwörung gegen die Forumskinder. Die werden deshalb in ihrer Opferrolle mächtig aufgewertet.

Ein vermeintlich vom Angeschuldigten, seinen Helfern oder Helfershelfern gelöschter Kommentar wird daher durch wütende Unterstellungen und Reaktionen auf allen möglichen Web-Seiten beantwortet. Forumskinder lassen sich eben nicht unterkriegen. Sie schrecken auch nicht davor zurück, gelöschte Kommentare, die sie vorsorglich kopiert haben, wieder hochzuladen, selbst gegen den Willen des ursprünglichen Verfassers, wenn der sie gelöscht hat. Wen wundert es, dass es bei dem virtuellen Flashmob in Reaktion auf die „skandalöse“ Gesellen-Klausur ähnlich war.

Die massiven öffentlichen Beschuldigungen hatten merkwürdige Folgen:

1. Die Forumskinder (gut 50 Betroffene [und Mitläufer?] hat jemand gezählt) fühlten sich in der Mehrheit. Einer der Studierenden schrieb: 99% hätten sich über diese Skandal-Klausur beschwert. Doch selbst wenn die fünfzig meist „anonymen“ Teilnehmer der Diskussion sämtlich Betroffene waren(?!), hätten sie nicht einmal 10% der Klausurteilnehmer ausgemacht. Da werden die Beschwerdeführer von Forumskindern einfach mal zur Grundgesamtheit erklärt und schon ist man bei 100%.

2. Obwohl schon bei einer „normalen“ Klausur viele Studierende durchfallen, gingen 100% der Forumskinder davon aus, dass wirklich nur die hier kritisierte Klausur nicht zu schaffen war. Kleines Gedankenspiel: Fielen selbst bei einer „fairen“ Klausur 50% aller Studenten durch, glauben bei einer „unfairen“ trotzdem 100%, sie hätten eine „faire“ Klausur bestanden. Jedenfalls vermitteln sie den Eindruck. Denn:

Das erhöht die Wut auf den Klausursteller, weil er allein für das Scheitern verantwortlich (gemacht) wird. – Erfahrungen sagen aber genau das Gegenteil: Die Durchfallquote unter den Beschwerdeführern hätte bei einer „normalen“ Klausur eher über dem Durchschnitt gelegen. Aber davon will keines der Forumskinder etwas wissen!

3. Der Vater einer Studentin nahm sich den Internet-Hype so zu Herzen, dass er sich gleich am Tag danach (ohne meine Reaktion abzuwarten) in einer Mail an den Rektor dagegen verwahrte, dass ich seine Tochter „vorführe“. Er nahm zu Inhalten von Vorlesungen und Übungen Stellung, die er nie selbst besucht hatte. Dadurch führte er aber eher selbst seine Tochter vor, indem er ihr mit seiner Mail ihre Mündigkeit absprach.

Einer meiner Mitarbeiter kommentierte das mit den Worten: „Jetzt beschweren sich bereits Eltern in Vertretung (?) ihrer Kinder. Aus diesem Grunde sollten wir keine Sprechstunde mehr anbieten, sondern einen Elternsprechtag! Danke Bologna!“

Ein anderer war entsetzt darüber, dass diese Tochter ausgerechnet Lehrerin werden wollte. Und das wahrscheinlich an einer Berufsschule! Sollte sie ihren Vater vorgeschickt haben (?), wird der wohl in Zukunft auch ihre beruflichen Probleme lösen müssen, meinte ein dritter Mitarbeiter, der sich darüber im Fremdschämen erging.

Deutlicher als dieser Vater kann niemand die Verschulung des Studiums nach Bologna zum Ausdruck bringen und genau vor dieser Verschulung hatte ich in meinem ersten Neschle überhaupt gewarnt (Leon Neschle 1).

Der Rektor der Universität gab das Schreiben des Vaters an die zuständige(???) „Ombudsfrau für Studierende“ weiter und die wendete sich für eine Stellungnahme an mich, nicht ohne das Schreiben des Vaters vorher vollständig zu anonymisieren. Bevor ich in meiner Stellungnahme (dann auch) auf die inhaltlichen Argumente des Vaters(!!!) einging, schrieb ich etwa Folgendes:

In dieser Angelegenheit wendet sich keine Studierende an Sie, sondern (angeblich?!) ihr Vater. Wir als Universität haben aber weder eine Elternpflegschaft noch eine Elternbeauftragte. Soweit die Studierende volljährig und mündig ist, braucht der Vater also die Vollmacht seiner Tochter. Hat er eine solche vorgelegt oder haben Sie danach gefragt? Meine Töchter würden mir dafür niemals eine Vollmacht geben; sie würden sich für mich schämen!

Wir haben es zum Glück (meist) mit mündigen Studierenden zu tun und so sollten wir sie behandeln. Also müssen wir die Tochter fragen, was sie von dem Schreiben ihres Vaters hält! Denn allein für sie (nicht für den Vater!) sind Sie als „Ombudsfrau für Studierende“ zuständig!

Ich könnte mir denken, dass die Tochter reagiert, wie die meisten Studierenden, nachdem ich die Musterlösung veröffentlicht habe. Gerade meine schärfsten Kritiker haben sich daraufhin in Mails an mich entschuldigt: für ihre Entgleisungen, aber auch für ihre inhaltliche Kritik. Leider waren nur die Anschuldigungen öffentlich, die Entschuldigungen aber privat!

Ich sehe zudem nicht ein, warum ich mich anonym beschuldigen lassen muss, aber persönlich antworten soll. Wer sich beschwert, sollte das offen tun müssen, so wie er das auch vom Antwortenden erwartet. –

Es ist nicht meine Aufgabe zu prüfen, ob unsere „Ombudsfrau für Studierende“ das Schreiben des Vaters beantwortet hat und ihm meine inhaltlichen Argumente mitgeteilt hat. Soweit das der Fall war, macht sie sich damit zusätzlich zur „Elternbeauftragten“ und fördert beim Vater die bolognatypische Auffassung, die Universität sei die direkte Fortführung der Schule und solle die Studierenden in der Unmündigkeit belassen statt ihnen das Rüstzeug zum selbständigen Leben zu vermitteln. Eltern, die sich in der Uni mit ihren Beschwerden für ihre Kinder („aus gut unterrichteter Quelle bestätigt“) vermehrt einmischen, verstärken den Trend zur Verkinderung der akademischen Brut.

„Natürlich“ hielt es – wie der oben erwähnte Vater – kein einziger „Betroffener“ für nötig und möglich, mit mir persönlich über die „Skandal-Klausur“ zu sprechen, ein Vertreter der Fachschaft ausgenommen. Dabei hatte man gerade mir „fehlende Eier“ attestiert und da stand ich nun, allein mit dem Mute der Verzweiflung. Seit ich Professor im Massenfach BWL bin, habe ich noch nie erlebt, dass bei zwei Sprechstunden hintereinander nicht ein einziger Studierender meines Faches erschien. War das Sprachlosigkeit oder Scham der Studenten? Oder doch reiner Zufall?

B. Die Anamnese der Skandal-Klausur

Ein Chaos hat manchmal geringfügige Ursachen und für zwei ganze Tage war der virtuelle Flashmob im Netz das reine Chaos. Dabei fing alles ziemlich harmlos an:

Einer meiner Studenten gab mir bei einer mündlichen Zulassungsprüfung zu einem finanzwirtschaftshaltigen Masterstudium die Antwort: „Weiß ich nicht mehr, das war im ersten Semester“. Dabei war meine Frage für einen Studenten der Finanzwirtschaft simpel: „Was ist eigentlich der Kapitalwert?“ –

Mündliche Prüfungen sind ansonsten abgeschafft, jedenfalls fast durchgehend und soweit sie das Ende eines Studiums markieren. Das ist schade, weil sie für die Professoren eine Möglichkeit waren, Lehrerfolg und Lernerfolg sachbezogen zu ergründen. Die nach Bologna obligatorische Lehrbeurteilung durch die Studierenden kann dies nicht ersetzen, weil sie keine spezifischen Inhalte adressiert.

Mündliche Prüfungen heute sind an den Beginn eines Studiums gewandert. Mit Eignungs- und Einstufungsprüfungen soll ermittelt werden, ob jemand für ein späteres Studium geeignet ist. Am Ende einer solchen, oben schon erwähnten Prüfung nahm die Idee zur Skandal-Klausur ihren Anfang. – Es ging nämlich weiter:

Da ich nicht nachtrete, wenn jemand am Boden liegt, versuchte ich dem Studenten mit einer einfachen Frage wieder aufzuhelfen: „Welche Parameter muss ich kennen, um eine Normalverteilung exakt festzulegen?“ Seine Antwort war ähnlich: „Weiß ich nicht, das war im zweiten Semester?“

Diesen Studenten hätte ich noch Stunden prüfen können und er hätte mir zu jedem Thema sagen können, in welchem seiner sechs Semester er davon gehört hatte. In den beiden obigen Fällen konnte er sogar lokalisieren, wo etwas darüber im „Skript“ stand. Nur inhaltlich konnte er gar nichts beitragen.

Er wurde natürlich nicht zum Masterstudium zugelassen, aber weil er einer meiner Bachelorstudenten war, ließ mich sein Fall nicht los. Wäre es anders gewesen und hätte ich mich einen knetfeuchten Guano um diesen Problemfall geschert, wäre mir die Idee zu der Skandal-Klausur daher niemals gekommen.

Ich schaute also nach, mit welcher Note dieser Student „Investition und Finanzierung“ bestanden hatte und erwartete eine „4“. Tatsächlich aber hatte er mit „1,7“ abgeschlossen und drei Jahre danach wusste er nicht mehr, was ein Kapitalwert war. Wie kam das und was konnte ich dagegen tun?

An der Lehre konnte es nicht liegen, zumindest nicht an deren Inhalt. Natürlich wurde der „Kapitalwert“ lang und breit erläutert. Also eher am Lernverhalten, das freilich auch durch die studentischen Erwartungen an die Prüfung gesteuert wird. Prüfungen dienen unter Lehrenden entgegen einer weit verbreiten Ansicht unter Studierenden nicht dazu, Studenten (ex post) für schlechte Leistungen zu bestrafen, sondern dazu, ihnen (ex ante) die richtigen Lernanreize zu geben.

Also fragte ich beim Prüfling nach seiner Prüfungsvorbereitung und erhielt die Antwort ungefähr so: Ich habe einfach jede Menge Aufgaben aus Musterklausuren, Übungen und Kolloquien anhand der Musterlösungen „gebüffelt“. Bei der Klausur bin dann nach dem Prinzip der Mustererkennung vorgegangen und habe die Aufgaben so gelöst, wie ich sie gebüffelt hatte. Einfach so, ohne die Lösung immer voll zu verstehen. Und das Ergebnis – zugegeben mit etwas Glück und der Abwahl der weniger „guten“ Aufgabe (3 von 4 mussten bearbeitet werden) – war dann 1,7.

Mit dieser Note 1,7 in Investition und Finanzierung tritt dieser Student in der Praxis an, muss aber bei der Frage nach dem Kapitalwert schon aufgeben. Schlecht für ihn und seine Reputation, dachte ich, schlecht für die Reputation seiner Uni und seiner Fakultät, schlecht auch für seinen Hochschullehrer, schlecht aber vor allem für alle, die ihre Ausbildung mit ihm teilen, geteilt haben und teilen werden: seine Kommilitonen, deren Vorgänger und Nachfolger. Zu viel der negativen externen Effekte für unbeteiligte Kommilitonen.

Zugegeben: Dieser Student könnte ein „Ausreißer“ gewesen sein und er war es sicher auch. Mit reinem Büffeln und stetigem Vergessen nach jeder Prüfung dürfte nur eine kleine Minderheit durchkommen. Aber sie tut es offenbar, wenn eine gleichförmige Aufgabenstellung dies erlaubt. Das aber verstärkt zwei problematische Trends, die sich gegenseitig bedingen:

1. Die Studierenden konzentrieren sich nur noch auf die nächste Prüfung und den reinen Prüfungserfolg und fragen nicht mehr nach Sinn und praktischer Anwendung. Es geht ihnen allein um den Schein des Scheins, also ihres Zeugnisses.

2. Studierende ersetzen Verständnis und Vorlesung, die dieses Verständnis vermitteln soll, durch vermeintlich „prüfungsrelevante Aufgaben“ aus Übungen und Tutorien, die eigentlich da sind, die Vorlesung zu ergänzen und das dort erworbene Verständnis zu vertiefen.

Übung, Tutorium und geistloses Büffeln der Übungsaufgaben ersetzen daher heute meist vollständig Fachverständnis und Vorlesung. Ein Forumskind glaubte sogar fordern zu können, man müsse (!) Klausuren ohne Besuch der Vorlesung und durch alleiniges Üben der Übungsaufgaben bestehen können.

Dass es „Kreditpunkte“ für Vorlesung und Übung gibt, zählt nicht. Diese Leute wollen die vollen Punkte für die halbe Leistung, beschimpfen aber mich als „Betrüger“!? Ist es schon deshalb nicht eher umgekehrt?

Hier wirkt der akute Bachelorismus. Das ist die Krankheit, bei der reines Büffeln das Verständnis ersetzt und der Wunsch nach Bestehen der Prüfung den nach Bestehen im Leben.

Bei denen, die akut an Bachelorismus leiden, ist der Professor „studentenfeindlich“, der Verständnis des Faches vor das simple Büffeln setzt und das Bestehen im Leben vor das Bestehen der Prüfung. „Studentenfreundlich“ ist dagegen derjenige, der ein Bestehen der Klausur mit geringem Einsatz und durch reines Büffeln ermöglicht.

Ein im Sinne des Bologneser Bachelorismus „studentenfreundlicher“ Professor nähme allerdings in Kauf, dass Studenten ohne jedes Verständnis durch reines Büffeln die Klausuren toll bestehen, in der Praxis mit ihrem Unverständnis auf die Nase fallen und damit erhebliche Reputationsschäden bei unbeteiligten Kommilitonen verursachen. Wohlgemerkt: Das ist „Studentenfreundlichkeit“ im Sinne des Bachelorismus a la Bolognese, nicht in meinem Sinne.

Doch was war bei der „Skandal-Klausur“ anders? Die Aufgaben waren bewusst einfach und sämtlich ohne Taschenrechner zu lösen. Aber sie waren anders gestaltet als die Übungsaufgaben und daher mit einfachem Büffeln und simpler Musterübertragung kaum zu lösen. Für den, der sich um ein Verständnis der Zusammenhänge bemüht hatte, war ihre Lösung dagegen ein Kinderspiel.

Daher sah auch keiner meiner Mitarbeiter die Probleme, die mit dieser Aufgabenstellung und der Reaktion der Studierenden darauf auf uns zukommen sollten. Warum auch? Diese Klausur war leichter als alle Klausuren der vorhergehenden Termine. Eigentlich! Wenn man die Zusammenhänge verstanden und nicht nur Übungs- und Tutoriumsaufgaben gebüffelt hatte.

Dabei hatten wir kommunikativ vorgesorgt. Ein Mitarbeiter, der die Übungen hielt, und ich kündigten mehrfach an, dass ich selbst sämtliche Aufgaben stellen und dabei das in der Vorlesung gelehrte Fachverständnis im Vordergrund stehen würde. Trotzdem blieb bei den meisten die auf die Übungsaufgaben gerichtete Büffelmentalität erhalten, aus der heraus sich viele den Besuch der Vorlesung ersparten. So kam es, dass unter Forumskindern immerhin zwei oder drei behaupteten, sie hätten trotz Vorlesungsbesuch die Klausur nicht geschafft (Da sage ich mal böse: Vielleicht haben sie geschlafen oder das falsche Fach gewählt oder…?!).

Die Mehrheit der Forumskinder bestand aber wohl aus Vorlesungsverweigerern, die sich in größerer Zahl auch dazu bekannten. Einige schrieben, sie müssten während der Vorlesungszeit arbeiten (obwohl für jeden eingeschriebenen Studenten die Uni der Hauptjob sein müsste), andere verwiesen auf den geänderten Termin und die damit verbundenen Planungsschwierigkeiten.

Der Termin lag in der Gremienzeit der Fakultät am Dienstagnachmittag, die früher stets vorlesungsfrei zu sein hatte, damit jeder Professor seine Verpflichtungen in der Selbstverwaltung erfüllen konnte. Damit konnten alle Studenten (und Professoren) rechnen und langfristig planen. Ich selbst hatte mich heftig gegen die Terminverlegung gewehrt, musste mich aber einer Weisung des Rektorats beugen. Es war eines der wenigen Male, in denen ich mich als Hochschullehrer gegängelt fühlte.

Auch der Grund für die Terminverlegung war „akuter Bachelorismus“: Ein Zeitfenstermodell sollte Lehramtsstudenten ein überschneidungsfreies und schnelleres Studium ermöglichen. Dafür mussten sich alle anderen Studenten und die Professoren Terminänderungen gefallen lassen.

Zur Sicherheit fragte ich gleich in der ersten Vorlesung nach, wie viele Lehramtskandidaten unter den Zuhörern saßen. Es meldeten sich dort fünf, die alle auf einem Haufen rechts oben im Hörsaal saßen. Fünf von etwa 600, weniger als 1%, für die alle anderen Studenten eine Terminverlegung erdulden mussten. Doch auch wenn die Terminverlegung bei diesen Studenten Probleme verursachte, dafür war ich wohl kaum verantwortlich zu machen. Doch den Forumskindern war auch das egal.

C. Erkenntnisse aus einer akademischen Krankheit

1. Ein Vater (einer, aus einer größer werdenden Zahl) wendet sich an den Rektor der Universität, weil seine Tochter eine Klausur unfair findet. Der Rektor leitet die Beschwerde weiter und die „Ombudsfrau für Studierende“ fordert den Professor zu einer Stellungnahme zu den Vorwürfen des Vaters(!) auf.

Bald wird es also Elternpflegschaft und Elternabende in der Universität geben!? Sollen wir unsere Studierenden Bolognese wie unmündige Kinder behandeln? Ist die Universität nur die simple Fortsetzung der Schule mit gar keinen anderen Mitteln?

2. Keiner der Studierenden regelt seine Angelegenheiten persönlich mit dem Professor. Kein einziger erscheint in der Sprechstunde. Es kommt vielmehr zum virtuellen Flashmob im Netz. Das ist voll von meist anonymen Anschuldigungen und dubiosen Verdächtigungen: Forumskinder feiern Forumskinder. Wer nicht mitfeiern will, wird gemobbt. Und wer als Forumskind seine Wutkommentare löscht, weil sie ihm peinlich geworden sind, der bringt damit nur den Angegriffenen in Verdacht, diese Kommentare mutwillig zerstört zu haben. Kinder, Kinder! Bologna lässt grüßen!

3. Studentenfreundlich sind eigentlich nicht einfache Klausuren, sondern Klausuren, die verhindern, dass der Student in der Praxis bei einfachen Fragen auf die Nase fällt. Dazu braucht es Verständnis von Inhalten und Zusammenhängen. Das Verständnis für die Zusammenhänge geht durch die scheibchenweise Abprüfung a la Bologna verloren. Dass auch das Verständnis für die Inhalte verlorengeht, weil das Bologna-Büffeln stilbildend für das studentische Lernen wird, hat mich an diesem Fall erschüttert.

Was wir mit Bologna auf kindische Weise verspielt haben, holen wir erst in Jahrzehnten wieder auf. Der Verlust von Verständnis ist auch der Verlust von Kreativität und Humanvermögen: ein erzwungenes Brain-Drain an unschuldigen Kinderstudenten. Wir ersetzen Bildung durch Aus-Bildung. Und dort ist der Mensch Mittel. Punkt! Erst Bildung, die ihm Souveränität und Flexibilität gibt, macht ihn zum Mittelpunkt.

4. Neuer Stil dank Internet: Massenhaft Beschuldigungen gibt es öffentlich und anonym, zählbare Entschuldigungen nur privat und persönlich. Doch wer beseitigt den öffentlichen Unrat? Niemand! Weil man zum wirklichen Löschen ein kollektives Einverständnis bräuchte, was schon deshalb nicht herstellbar ist, weil einigen das Verständnis fehlt und Trittbrettfahrer mitfeiern, denen die Reputation der Studierenden egal ist.

Essener Studierende sind meines Erachtens in der großen Masse überdurchschnittlich gut. Aber ihre Außendarstellung ist hundsmiserabel, nicht nur in diesem Fall. Im Netz scheinen nur Mieslinge und Fieslinge zu schreiben und die (in diesem Fall weniger als 10%) zeichnen dort das Bild aller Essener Studenten. Wird ein besonders fieser Kommentar von einem Wutstudenten selbst gelöscht, schreien andere Forumskinder auf, holen den vorsorglich kopierten Kommentar wieder hoch und wollen (weil der Administrator verdächtigt wird) dutzendweise andere Foren mit ähnlichen Kommentaren vollsudeln.

Diese Forumskinder wollen sich profilieren: auf Kosten aller Kommilitonen (vor allem der guten), auf Kosten der Reputation ihres Professors und ihrer Universität. Außerhalb des Fußballs werden Eigentore eben meist von den Toren selbst geschossen. Die repräsentieren dann die Universität nach außen. Ihre ätzenden Bemerkungen werden draußen eher für die Wahrheit gehalten als das, was auf den offiziellen Web-Seiten der Universität steht.

So gesehen wäre es ein Segen gewesen, man hätte viele Kommentare löschen können, zumal die nicht selten Fehler enthielten. Doch tut man das, erscheinen dafür mehrere neue. Und wie will man das tun? In der Anonymität des Netzes spielen auch Unbeteiligte mit, die sich einen „Spaß“ daraus machen, die Steilvorlagen solcher Threads zu bedienen: Nicht auf der Couch von Psychologen, sondern in den Internetforen laden die Psychopathen von heute ihren Seelenmüll ab. Aber natürlich ist die Masse der Forumskinder unfähig, sie zu therapieren.

D. Worte, die nicht gesagt werden, helfen zuweilen mehr

Im April 1993 wurde die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität-GH Duisburg nach Studentenumfragen vom Spiegel zur besten Fakultät Deutschlands gekürt. Die Umfrage dazu fand während meines Dekanats an dieser Hochschule statt. Ich hatte vorher die Studierenden eingeschworen, alle Probleme intern anzugehen und nach außen nur Gutes über ihre Uni zu verbreiten. Das hat gewirkt! Obwohl wir meines Erachtens ziemlich gut waren, die Besten waren wir wohl nicht.

Aber der Spiegel schrieb es und viele fingen an, es zu glauben. Spätestens als ich gefragt wurde, wie wir denn so gut geworden seien, merkte ich das. Sonst hätte man mich eher rhetorisch gefragt: „So gut seid Ihr doch nicht wirklich?“ Das Ergebnis war: Bewunderung und Anerkennung mit positiven Rückwirkungen auf die Absolventen.

Heute beherrschen vor allem private Universitäten mit ausgeprägter Corporate Identity diese Außendarstellung. Die meisten öffentlichen Universitäten sind darin mies. Das zeigte sich auch an diesem virtuellen Flashmob.

Die richtige Lösungsplattform für den Konflikt um die vermeintliche „Skandal-Klausur“ wäre eine strikt universitätsinterne gewesen, zumal sich das Ganze als Strohfeuer erwies. Aber dazu gab es (noch) kein klares Angebot der Universität. Und die Ombudsfrau wurde von den Studierenden offenbar nicht wahrgenommen.

Die „armen Studies“ dachten auch nicht an die Außenwirkung, sondern nur daran, ihren Schmerz in die Welt hinauszuposaunen, wo diesen ohnehin niemand richtig, aber sehr wohl falsch verstehen kann. Es fehlte schon die interne Konfliktlösungswilligkeit, von der Konfliktlösungsfähigkeit mal ganz abgesehen. Solange die nicht da ist, gibt es leider kein gutes Bild nach außen.

Eine Möglichkeit, hier einen neuen Akzent zu setzen, wäre es, wenn einer meiner Kritiker seine persönliche Entschuldigung bei mir öffentlich machen würde. Doch es ist leichter, öffentlich ungerechtfertigt zu beschuldigen, als sich dort gerechtfertigt zu entschuldigen: Beschuldigungen wirken anonym, Entschuldigungen nur, wenn man seine Anonymität aufhebt. Das kann aber niemand verlangen. Es wird so selten bleiben, wie die Frage eines Studenten, warum er denn so viele Punkte oder eine so gute Note habe. Das Glücksgefühl „zu vieler Punkte“ wird so schnell in eigenen Verdienst umgemünzt, dass es gar nicht erst in die Ebene des Bewusstseins gelangt. Es wäre ja auch dumm, etwas anderes öffentlich zu äußern. Solche Reaktionen auf Klausurergebnisse findet man daher allenfalls in einer sehr privaten Kommunikation.

Da sich diese Zusammenhänge nicht in das öffentliche Bewusstsein einschleichen (können), wird das schiefe Bild über die „Skandal-Klausur“ weiterbestehen (müssen). Vielleicht aber führt dieser Beitrag zum Nachdenken. –

Ich könnte nun die Skandal-Klausur anhängen, möchte aber den guten Studenten diese Peinlichkeit ersparen. Denn dass man diese Klausur nicht schaffen konnte, wirkt fast unglaublich für jeden, der auch nur ein wenig von der Sache verstanden hat. Ich halte vielmehr fest:

1. Die wütenden Protestierer waren trotz allem in der Minderzahl, obwohl sie sie sich selbst und das Netz gern als Mehrheit wahrnehmen.

2. Die allermeisten Essener Studenten können das, was die Klausur verlangt, selbst viele von denen, die sich von der allgemeinen Panik anstecken ließen und die Klausur erst gar nicht zu bearbeiten versuchten. Auch da haben mich „Entschuldigungen wegen persönlicher Dummheit“ erreicht.

3. Vielleicht führt die ganze Aufregung ja am Ende dazu, dass die Studenten wieder mehr Wert auf Verständnis und weniger Wert auf stures Büffeln legen. Dann gelänge es am Ende sogar, Bologna ein Schnippchen zu schlagen.

 

Bachelorismus Bolognese

Büffeln nur und nichts verstehen

Und dann in die Prüfung gehen.

Gibt‘s ein Recht so zu bestehen,

seit Bologna-Winde wehen!?

 

Viele scheinen das zu glauben

Und sollte Prof sich mal erlauben,

beim Verständnis nachzufragen,

dann kann man sich ja beklagen.

 

Herberts „Kinder an die Macht“

Wird zur Wirklichkeit gemacht.

Vielleicht nicht heut, ein wenig später,

Denn heute sprechen noch die Väter.

 

Wenn die es so weiter treiben,

werd’n ihre Kinder Kinder bleiben.

G‘rad weil der Vater sich versündigt

An seiner Brut, die er entmündigt,

 

Doch bei der Uni gibt‘s Gehör,

denn Vater sein ist schließlich schwer.

Noch gibt’s den Elternsprechtag nicht,

doch immerhin hier im Gedicht.

 

Denn falls wir weiter Bolognesen

Gibt’s uniweit das Elternwesen.

Dann wollen bald die Eltern sprechen,

Vor allem um ihr Kind zu rächen.

 

Man will mir meinen Job erschweren,

weil ich den Eltern soll erklären,

was ihre Kinder wissen müssten,

wenn sie sich für die Prüfung rüsten.

 

Ich finde, das geht viel zu weit,

doch meine Uni scheint bereit,

‘ne Elternpflegschaft einzuführen,

und an die Mündigkeit zu rühren.

 

Der Bologneser Studie wird entrechtet,

mit einer Aus-Bildung geknechtet.

Das Einzige was zählt noch hier,

das ist ein blödes Büffeltier.

 

Auf Bologneser Uniweiden

Mag man das Büffeltier gut leiden.

Nur selber hat es nichts davon

Von seiner simplen Geistesfron.

 

Es kann kaum etwas mehr gestalten

Und Bildung wird ihm vorenthalten.

Wenn alle unselbständig sind,

sind wir Bologna-Geistes Kind.


[1] Einem ungenannten Studenten danke ich für die Anregung zu diesem Titel, der ihn wahrscheinlich selbst überrascht.

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7 Responses to “Leon Neschle 75 (11. Woche 2012)”

  1. Lukas Röhling Says:

    Sehr geehrter Herr Neschle,
    ich muss Ihnen in einigen Punkten Recht geben, jedoch auch widersprechen.
    Das stumpfes auswendig lernen nicht zielführend ist, ist auch uns Studenten klar. Jedoch wollen auch wir die Klausur bestehen und dafür ist dies, wie die Erfahrung zeigt, der erfolgreichste Weg. Auch in Ihrem Fach war dies Jahre lang der erfolgreiche Weg. Ihre Mitarbeiter haben in der Übung sogar gepredigt, dass die Klausur wie die Übungsaufgaben aussehen wird nur mit anderen Zahlen. Woher sollen wir Studenten dann wissen, dass die Übung nicht mehr relevant ist, wenn dies Jahre lang der Weg zum Ziel war? Ich bin ein wenig enttäuscht von Ihnen, dass Sie sich so viel Mühe geben die einzelnen Beleidigungen (die selbstverständlich völlig unangebracht waren, was auch von vielen Studenten sofort so kommentiert wurde) herausarbeiten, jedoch die Argumente völlig übersehen. Zum Beispiel, dass alle Ihre Altklausuren nur mit auswenig lernen erfolgreich zu lösen waren und keine Ihrer Veranstaltung auf diese Form der Klausur vorbereitet hat. Ich finde es auch nicht korrekt, den Studenten die Ihre Vorlesung besucht hatte, zu unterstellen, dass Sie womöglich geschlafen hätten. Sie müssten auch einwenig selbstkritischer sein. Es ist seit Jahren bekannt, dass Sie in Ihrer Vorlesung stark zum Abschweifen neigen und der tatsächliche Inhalt, den man letztendlich nach der Veranstaltung mitgenommen hat, zu einem Drittel aus Dschungel-Camp, Schalke, usw. besteht. Ich habe die Ersten Ihrer Veranstaltungen besucht und habe dann für mich beschlossen, dass ich alleine einfach produktiver bin. Ich habe die Klausur bestanden und trotzdem zweifle ich die Klausur an. Es ist auch nicht korrekt, dass sich “die Meute” zwei Tage nach der Veröffentlichung der Lösung beruhigt hätte. Es kann sich auch nicht um nur 50 Leute gehandelt haben die sich dort aufgeregt haben, da das Forum unter den vielen Besuchern zusammengebrochen ist. Viele Ihrer Befürworter bzw. Befürworter Ihrer Klausur, haben nach eigener Aussage, die Klausur garnicht selber mitgeschrieben. Wie können diese also behaupten, dass die Veranstaltungen auf die Klausur vorbereitet haben oder die Klausur fair war?

    Mit freundlichen Grüßen

    Lukas R.

  2. t. Maier Says:

    Ich bin kein Student de Universität Duisburg-Essen. Allerdings würde ich die Prüfung wirklich gerne einmal sehen. Kann man die irgendwie zum Download bekommen?

  3. Auswendiglerner Says:

    Vierter Satz, erste Lüge. Tut mir leid, aber anders ist diese Aussage nicht zu werten:
    “Doch zwei Tage später kam die Musterlösung vom Lehrstuhl. Von da an fand sich keine Kritik mehr im Netz. Die Aufregung hatte sich völlig gelegt.”

    Nach der Veröffentlichung der Musterlösung und Stellungnahme am 15.02. gab es im von Ihnen angesprochenen Forum noch mehr als 150 Beiträge zum betreffenden Thema.
    Das Empfinden der Klausurschreiber hat sich auch nach Veröffentlichung der Musterlösung kaum geändert. Lediglich viele Außenstehende kommentierten nach der Veröffentlichung in einer Ihnen gegenüber wohlwollenden Art.
    In Ihrem Blog-Eintrag prangern Sie unter anderem an, dass sich Außenstehende in die Bewertung einmischen obwohl Sie die Klausur möglicherweise nicht mit “erlebt” haben.
    Komisch also, dass hier jetzt mit zweierlei Maß gemessen wird.
    Ihre Aussage ist schlichtweg falsch.

    “Deutlicher noch als auf der Facebook-Seite des Lehrstuhls äußerten sich die Studenten auf der Seite der Fachschaft. Da wollte man mich einer politischen Übung folgend wegen der Skandal-Klausur „aus dem Amt jagen“ oder „zum Rücktritt zwingen“.”
    Auch hier wird mit zweierlei Maß gemessen.
    Sie verurteilen aufs Schärfste, dass ein Student davon spricht, “99%” der Klausurschreiber würden sich beschweren. Wie schockiert Sie von dieser Aussage sind, zieht sich durch den gesamten Blog-Eintrag.
    Dennoch heben Sie hier (und an einigen weiteren Stellen) gezielt und bewusst die MINDERHEIT der Studenten hervor, die Sie persönlich angegriffen und beleidigt haben.
    Da Sie so viel von Zahlen halten: Die Anzahl derer, die ausfallend und beleidigend wurde, lässt sich an einer Hand abzählen.

    Aus einer Diskussion mit 459 Beiträgen heben Sie diese verschwindend geringe Anzahl von Personen hervor. Sie sprechen von “den Studenten”, und dass “man” sie aus dem Amt jagen wollte. Hört sich sehr pauschal an, oder nicht?
    Nicht gerade geschickt, wo Sie doch das Verdrehen von Tatsachen selbst so sehr verurteilen.

    Übrigens: Möglicherweise haben sich wirklich nicht 99% der Klausurschreiber beschwert.
    Aber ca. 72% könnten es schon sein. So viele Studenten sind in dieser Klausur nämlich durchgefallen, wohlgemerkt NACHDEM Sie die Bestehensgrenze abgesenkt (und vermutlich auch die Bewertung der bearbeiteten Aufgaben geändert) haben.

    Dazu waren Sie wohl gezwungen, wie hätte es schließlich ausgesehen, wären 80-90% der Studenten durchgefallen, nachdem/obwohl Sie die Klausur in Ihrer Musterlösung als so einfach dargestellt hatten?

    Im Folgenden sprechen Sie den Vorwurf der Zensur auf der Facebook-Seite des Lehrstuhls an.
    Auch hier berichten Sie wieder sehr ungenau und selektiv.
    Der große Aufschrei erfolgte, nachdem eine Bitte nach einer Stellungnahme, mit großer Resonanz der Studenten, von Ihrer Seite verschwand.
    Wie dies genau passierte, ist unbekannt. Sie implizieren hier, ein Student selbst müsse den Beitrag als Spam markiert haben.
    Das erscheint mir merkwürdig, war doch insbesondere dieser Eintrag eigentlich ein sachlicher, in dem sich keine Beleidigungen gefunden haben.
    Sie pauschalisieren in diesem Blog-Eintrag aber so massiv, dass ein gegensätzlicher Eindruck erweckt wird.

    Die Geschichte über den auswendig-lernenden Studenten, der Sie zur Änderung der Klausurvorgaben bewegte, ist hingegen interessant und ergibt im Nachhinein auch Sinn.
    Wie gesagt, im Nachhinein.
    Hätten Sie wirklich gewollt, dass Studenten Ihr Lernverhalten (wenn auch nur für dieses Fach) ändern, hätten Sie aber folgendes getan:
    Sie hätten ihre Beweggründe VOR der Klausur erklärt. So hätte sich jeder ein besseres Bild davon machen können, wie die Klausur am Ende tatsächlich aussieht. Die bloße Aussage, sie werde “theorielastiger” sagt nicht viel aus.
    Sie hätten nicht die selben Übungsaufgaben und Tutoriumsaufgaben wie die Jahre zuvor gestellt, im Wissen, dass die abschließende Klausur komplett anders aussehen würde, als die Jahre zuvor.
    Wofür hat Herr Lauterjung ein gesamtes Semester eine Übung gehalten? Die dort behandelten Aufgaben wurden nicht abgefragt.
    Sie hätten vor allem kein Crash-Kurs-Tutorium zur direkten und unmittelbaren Vorbereitung auf die Klausur angeboten, in dem erneut (in Hinblick auf die Klausur) absolut und ausnahmslos sinnlose Aufgaben bearbeitet wurden.
    Wofür dieser ganze Aufwand? Zur Vorbereitung auf die Klausur diente er jedenfalls nicht.
    Ein gesamtes Semester lang Aufgaben zu bearbeiten, nur um dann in der Stress-Situation Prüfung vor völlig veränderten Tatsachen und Sachverhalten zu stehen, ist sicher nicht der Weg des wohlwollenden, sich selbst als “studentenfreundlich” darstellenden Professors. Eine Klausur, bestehend fast ausschließlich aus Transferleistung, ebenfalls nicht.

    Sie stellen es dar, als wollten Sie nur das Beste für die Studenten.
    Und das hätten Sie auch erreichen können. Aber nicht mit diesen Lehrinhalten.
    Hätten Sie die Studenten wirklich auf die Klausur vom 14.2. vorbereiten wollen, ich bin mir sicher, Sie hätten es geschafft.

    Abschließend:
    “1. Die wütenden Protestierer waren trotz allem in der Minderzahl, obwohl sie sie sich selbst und das Netz gern als Mehrheit wahrnehmen.”

    Selbes Thema, erneute Falschaussage.
    Wenn es sich hier um die Minderheit handelt, wo ist denn dann die Mehrheit?
    In den Forum-Beiträgen der Klausurschreiber finden sich bis auf sehr wenige Ausnahmen ausschließlich Statements, die die Klausur als unangemessen darstellen.
    Hier liegt also schonmal eine Mehrheit vor. Von allen Klausurschreibern, die sich öffentlich geäußert haben, empfindet die Mehrheit so.

    Und selbst das Forum ausser Acht gelassen: Von allen Klausurschreiben, egal ob sie sich zur Klausur geäußert haben, dürfte wohl auch die MEHRHEIT so denken.
    Oder sind 72% durchgefallen Studenten (NACH Absenkung der Bestehensgrenze) eine Minderheit?

    Sie verbreiten falsche Tatsachen.

    Ihre Kritikpunkte an den Auswirkungen der Bologna-Reform finde ich persönlich sehr interessant und teils auch berechtigt!
    Dieser Blogeintrag bekommt jedoch einen faden Beigeschmack angesichts der vielen falschen Tatsachen und Schönmalerei. Ich hoffe ich konnte Sie hiermit darauf aufmerksam machen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    der Auswendiglerner.

  4. JohnP Says:

    An einer Universität wird einem der Stoff nun einmal nicht mehr babygerecht vorgekaut. Eigeninitiative und das Entwickeln eigener Methoden, um sich das Wissen anzueignen, sind notwendig, um ein universitäres Studium erfolgreich zu bestreiten. Dabei wird man hier und da auf einfache und manchmal auf sehr schwierige Klausuren treffen. Dies stärkt nur den Charakter und den Willen, es besser zu machen als andere.

    Nachdem die Klausur mitsamt Lösung veröffentlicht wurde, hat sich das wahre Gesicht des Pöbels gezeigt. Er wurde demaskiert. Das Affentheater wurde umso grotesker, als dann die Ergebnisse veröffentlicht wurden - und siehe da: Es gab sogar gute Noten und die DFQ war geringer als manche vermutet hatten. Nicht zu verschweigen, dass Studenten die Klausur durchgestrichen und somit eine 5.0 provoziert haben.

    Man sollte als Student auch immer ehrlich zu sich selbst sein im Falle einer 5.0: Warum haben es andere geschafft und ich nicht?

  5. Neschle selbst Says:

    Lieber Lukas R., lieber Auswendiglerner,

    Ihr wollt mich widerlegen, gebt mir aber Bestätigungen:

    1. Ihr habt beide die Philosophie meines Hundes nicht verstanden, niemals in den eigenen Garten zu pinkeln. Dabei habe ich schon ganz zu Beginn meines Beitrags dazu aufgefordert, auch als Studenten einer öffentlichen Universität „stubenrein“ zu werden. Am Ende meines Beitrages habe ich erklärt, warum das für Euch selbst und Eure Kommilitonen wichtig ist. Ich glaube aber, Ihr habt gar nicht erst bis dahin gelesen. Denn:

    2. Es geht Euch wieder und wieder nur um Einzelfaktenrund um die Klausur. Ich zitiere dazu aus dem Beitrag: „Die Studierenden konzentrieren sich nur noch auf … den reinen Prüfungserfolg und fragen nicht mehr nach Sinn und praktischer Anwendung.“

    Ihr findet da kein Ende und nicht einmal den Zukunftsbezug zur nächsten Klausur. Vielleicht kann Euch der Kommentar von JohnP helfen, mehr zu verstehen. Aber sicher werdet Ihr wie echte Forumskinder denken, der sei von mir bestellt. Dann ist Euch eben nicht zu helfen.

    Denn: Wer von Euch war in meinen Sprechstunden (es waren schon 3 und erst ein Student war da, um mit mir über diese Klausur zu sprechen)? Keiner!?

    Dabei wäre das auch ein schöner Ort, an dem ich erklären könnte, warum fast alles falsch ist, was Ihr in Euren Kommentaren behauptet. Das fängt bei einfachen Missverständnissen an (Wenn ich “Studenten” schreibe, meine ich “Studenten” und nicht “die(!!!) Studenten”…..), geht über mehr oder minder bösartige Verzerrungen (z.B. Dschungel-Camp,…..) und endet noch nicht bei groben Übertreibungen und Fehleinschätzungen (ich hätte “aufs Schärfste verurteilt”, …..).

    Nochmal: Kommt in meine Sprechstunde! Glaubt mir doch einfach mal, dass es nicht gut für Euch selbst und Eure Kommilitonen ist, dass wir hier(!!!) diskutieren!

    Das ist auch der Grund, warum ich mir hier weitere Kommentare ersparen werde. Es ist alles über diese Klausur gesagt, nur noch nicht von jedem! Zudem geht es in meinem Beitrag gar nicht um diese spezifische Klausur oder die Reaktion genau dieses Vaters: Ich will damit vielmehr auf eine Gesamtentwicklung unseres Bildungssystems aufmerksam machen.

    Das aber wolltet Ihr nicht verstehen (siehe oben 2.). Dazu tragen Eure Kommentare daher auch nichts bei, außer dass Sie mich exemplarisch bestätigen, auch wenn sie in den Einzelheiten inhaltlich stark korrekturbedürftig sind.

    Euer Neschle

    P.S.: Ich will aus meiner Seite kein Forum machen, weil aus einem Hobby keine Daueraktivität werden soll. Daher werde ich den Administrator bitten, keine Kommentare mehr zu veröffentlichen, die sich allein auf diese Klausur beziehen. Es reicht! Wirklich!

    Noch einmal und in Eurem eigenen Interesse: Das Internet ist der falsche Ort für Diskussionen über spezifische Fragen zu einer Klausur! Also wiederum: Herzlich willkommen in der Sprechstunde!!!

    P.P.S: Kommentare zum übergreifenden Problem sind weiter willkommen.

  6. Neschle selbst Says:

    Liebe „Fans“,
    es ist ja nett, dass ich an einem einzigen Nachmittag und Abend so viele freundliche Anrufe und Mails erhalte, obwohl ich krank daniederliege. Aber warum schreibt Ihr denn nicht selbst einen Kommentar? Ach so?! Ich will ja keine Kommentare zur Klausur mehr zulassen und Ihr wollt nicht in den Verdacht geraten, meine Strohmänner zu sein.
    Na, gut! Um wenigstens Eure FAQs zu meiner Reaktion abzuarbeiten:
    1. Warum habe ich die kritischen Kommentare überhaupt zugelassen, wenn sie so viel Falsches enthalten?
    Aus zwei Gründen: a. Weil sie mich darin bestätigen, dass die Studenten öffentlicher Universitäten nichts von Kommunikationshygiene verstehen (s. mein erster Kommentar). b. Weil sie sich zum größten Teil selbst richten.
    2. Warum gehe ich nicht konkret auf die Anschuldigungen der beiden Kritiker ein?
    Aus zwei Gründen: a. Weil ich dachte, Ihr hättet wenigstens verstanden warum. b. Weil sie sich selbst richten. Wie? Das versteht Ihr nicht?
    Zwei Beispiele vom Auswendiglerner, der es Euch besonders „angetan“ hat: Abgesehen, dass es die mir vorgeworfenen „falschen Tatsachen“ ebenso wenig gibt wie „zentrale Eckpfeiler“,
    a. hält er sich selbst nicht an Tatsachen. Beispiel: „NACHDEM Sie die Bestehensgrenze abgesenkt (und vermutlich auch die Bewertung der bearbeiteten Aufgaben geändert) haben“. – Woher hat er das? Als Student! Diese Behauptung ist schlicht falsch und der Klammerzusatz reine Spekulation, also eben keine („richtige“?) Tatsache, auf die er selbst so viel Wert legt.
    b. stellt er Fakten verzerrt dar. Beispiel: „Nach der Veröffentlichung der Musterlösung und Stellungnahme am 15.02. gab es im von Ihnen angesprochenen Forum noch mehr als 150 Beiträge zum betreffenden Thema.“ – Von den 150 muss man jedoch alle abziehen, deren Verfasser zu diesem Zeitpunkt die Musterlösung noch nicht durchgearbeitet hatten; ebenso diejenigen, die allein zur Lösung geschrieben oder sich positiv geäußert haben. Berücksichtigt man dann noch den „gebremsten Schaum“ beim verbleibenden Rest und vergleicht dies mit Menge und Intensität vor Veröffentlichung der Musterlösung, so kann man mich kaum mehr der Falschdarstellung bezichtigen.
    Reicht das, liebe Fans? Soll ich meine Studenten nun weiter öffentlich in alle Einzelheiten sezieren? – Noch einmal, auch für meine „Fans“: Es geht mir im Beitrag gar nicht um diese Klausur. Auch nicht darum, wer bezüglich der Klausur Recht hat. Es geht um den täglichen „Bachelorismus“ und die mangelnde Kommunikationshygiene an öffentlichen Hochschulen, welche diese in der Öffentlichkeit schlechter dastehen lässt als sie eigentlich sind.
    In diesem Sinne beweisen die beiden kritischen Reaktionen nur, dass diese Studies davon nichts verstanden haben. Sie begreifen nicht, was und wie das da draußen ankommt und warum sie sich und ihren Kommilitonen damit schaden. Ihr Fokus ist allein die öffentliche Entsorgung ihres individuellen Seelenschmerzes ohne Rücksicht auf die negativen externen Effekte. Es ist einfach nur traurig!
    3. Warum mache ich die Klausur nicht öffentlich, um den Kritikern endgültig den Wind aus den Segeln zu nehmen?
    Weil eine solche Klausur nur im Zusammenhang gewürdigt werden kann: a. als Anfängerklausur, b. als überraschend in der Art der Fragestellung. Wer diesen Zusammenhang nicht kennt, hält diese Klausur eher für zu leicht und versteht den ganzen Hype darum weniger als vorher. Es wäre auch nicht gut für die Studenten, die diese Klausur ohne Bewertungsanpassungen(!) und allen Unkenrufen zum Trotz mit „gut“ oder „sehr gut“ bestanden haben. (Sorry, t. maier!)
    So, liebe „Fans“, das muss jetzt auch für Euch genügen! Wenn Ihr mehr wollt, dann schreibt doch einfach selbst mal hier, aber bitte endgültig nichts mehr zu dieser Klausur! Und regt Euch nicht mehr bei mir auf über den Auswendiglerner und den Lukas! So nett das gemeint sein mag, ich will keine Zeit mehr drauf ver(sch)wenden.
    Klar, Ihr wollt nicht in den Verdacht geraten, von mir „angestiftet“ zu sein. Schließlich habe ich die Problematik bei den Forumskindern im Beitrag selbst geschildert. Mir ist es aber mittlerweile egal, ob die Forumskids Euch für von mir bestellte „Jubelperser“ halten. JohnP war es auch egal und meinem Administrator, der diesen Kommentar zugelassen hat.
    Lieben Dank
    Euer Neschle

  7. Neschle selbst Says:

    Hi Leute,
    jetzt versteht nicht einmal mehr mein eigener Administrator und postet Kommentare, die sich wieder mit Klausur und Vorlesung beschäftigen. Ich will das nicht mehr!!!
    Dies ist eine öffentliche(!!!) Plattform. Die meisten der Leser hier können Kommentare zu Vorlesung und Klausur daher gar nicht beurteilen, weil ihnen die unmittelbare Anschauung fehlt, und kochen sich dann zwangsläufig ein eigenes Süppchen. Wem soll das dann bitte schmecken?
    Ich betone noch einmal: Ich will und werde in Sprechstunde und Vorlesung gern darauf eingehen. Da rede ich dann aber mit Leuten, die das beurteilen können und da kann ich Missverständnisse unmittelbar geraderücken. Ihr habt es leider immer noch nicht: Das hier ist definitiv der falsche Ort dafür!!!
    Ich selbst(!) habe daher den Administrator gebeten, alle (auch die gerade jetzt einkommenden positiven) Kommentare zu löschen, die sich entgegen meinen Wünschen doch wieder mit Vorlesung und Klausur beschäftigen. Dies ist kein Forum(!) und die Antwort auf fast jeden Kommentar würde mir eine Dauerbeschäftigung verschaffen, zu der ich echt keine Lust habe. Ich müsste doch immer wieder klarstellen und zurechtrücken, z.B. wenn in einem solchen Kommentar zum zweiten Mal das Dschungel-Camp erscheint und den Anschein erweckt, als habe das in der Vorlesung einen wesentlichen Anteil gehabt.
    Selbst wenn ich großzügig davon ausgehe, das Dschungel-Camp habe mich 3 Minuten gekostet (was verdammt lang ist!), dann sind das etwa 0,002% der gesamten Vorlesungszeit. Offenbar hat aber gerade das Dschungel-Camp seinen Zweck erfüllt: einen für die meisten anspruchsvollen Lehrinhalt aufzulockern, die Studies zu entschlafen und neu zu fokussieren. Dies alles müsste ich nun aber im Rahmen meiner gesamten Lehrphilosophie erläutern. Aus meinen Beiträgen hier bei Neschle kann man viel dazu erfahren. Aber wer liest schon alle Beiträge?
    Ergebnis: Lasst es einfach sein, diese Fragen öffentlich(!!!) zu diskutieren. Das hilft weder Euch selbst noch Euren Kommilitonen. Im Gegenteil!
    In der Hoffnung, endlich auf Verständnis zu stoßen,
    Euer Neschle

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